Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Topolanek zurückgetreten, ZiB 1, 25.3.2009

In der EU weist man darauf hin, dass schon früher Regierungen während einer Präsidentschaft gestürzt sind. Aber sind drei Monate einer Lame Duck-Präsidentschaft in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise wirklich so leicht wegzustecken?
Die EU kann grundsätzlich mit einer schwachen Präsidentschaft funktionieren, das haben schon die vergangenen drei Monate gezeigt, denn ein besonders starker Ratspräsident ist Mirek Topolanek schon bisher nicht gewesen.
Da gibt es genug Routine im EU-Apparat, das einzufangen.
Wo sich eine angeschlagene Präsidentschaft viel schwerer tun würde, wären außergewöhnliche Krisensituationen, eine neue Welle in der Finanzkrise oder neue Spannungen mit Russland.
Da wird jetzt einfach mehr Verantwortung auf den Schultern der großen Mitgliedsstaaten lasten, Frankreich, Deutschland, Großbritannien.
Zum teil ist das ja jetzt schon der Fall. Denn Gordon Brown, der britische Premierminister ist ja bereits so etwas wie der Verbindungsmann Europas zu Barack Obama.
Topolanek hat sich für diese Rolle ja heute vor dem Europaparlament nicht wahnsinnig qualifiziert, mit seiner Bemerkung, dass die amerikanische Konjunkturpolitik seiner Meinung nach die ganze Weltwirtschaft in die Hölle führt.
Glaubt man in Brüssel eigentlich noch, dass der Reformvertrag zu retten ist, wenn es neue Schwierigkeiten mit der Ratifizierung in Prag gibt, weil die Position des EU-Skeptikers Vaclav Klaus gestärkt ist?
Das ist die größte Sorge, die man sich zur Zeit macht in der EU, dass der Reformvertrag ein Opfer der innenpolitischen Wirren in Tschechien werden könnte.
Wobei man Brüssel sagt, eigentlich sind die tschechischen Ereignisse ja ein schlagender Beweis dafür, wie wichtig eine ständige Präsidentschaft für die EU wäre. Die ist ja im Reformvertrag vorgesehen.
Jetzt haben wir eine Präsidentschaft, die alle 6 Monate wechselt. Wenn die zufällig mit einer innenpolitischen Krise zusammenfallen, wird die ganze Union in Mitleidenschaft zieht.
Auf die Dauer ist das unhaltbar. Dazu werden sich die Europäer auf jeden Fall etwas überlegen müssen.
Egal wie jetzt die tschechische Krise ausgeht oder wie das Referendum in Irland im Herbst ausgehen wird.

 

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