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Tschadmission verzögert,
MiJ, 21.12.2007
Eines ist sicher: der für
die ersten Jännertage geplante Beginn der europäischen Tschadmission
wird sich weiter verzögern. In den zuständigen Gremien der Europäischen
Union, dem Politischen Sicherheitskomitee und dem Militärkomitee,
weiß man, dass das keine guten Nachrichten sind. Aber als Ausdruck
fehlenden politischen Willens will man die langwierige Suche nach den
10 - 15 wüstentauglicher Hubschrauber, durch die die Mission aufgehalten
wird, nicht interpretiert haben.
Zumindest das zweite offene Problem scheint gelöst: Italiens Premierminister
Prodi hat versprochen, dass sein Land die Errichtung des ausständigen
Feldspitals übernehmen wird. Ärzte und Krankenpfleger sollen
sicherstellen, dass die EU-Mission auch für die schlimmsten Notfälle
gerüstet ist. Aber die umfangreiche medizinische Infrastruktur in
den Nordosten des Tschad zu bringen, das erfordert Zeit. Noch schwieriger
ist es das mehrere hundert Personen umfassende medizinische Personal zusammen
zu stellen und für den Einsatz vorzubereiten. Auch Slowenien und
Portugal haben versprochen Ärzte bereit zu schicken, aber die Koordination
steht noch aus.
Spätestens bis zum Beginn der sommerlichen Regenzeit im Tschad muss
dieses Spital funktionsbereit sein.
Ungeklärt ist nach wie vor, wo der irische EUFOR-Kommandant General
Pat Nash die fehlenden Helikopter herbekommen wird. Frankreich, das das
Gros der Soldaten stellt, möchte das Gerät nicht alleine stellen
und unter allen Umständen andere Staaten einbinden. Aus finanziellen
aber auch aus politischen Gründen. Neben der EU-Fahne sollen im Tschad
einmal möglichst viel Hoheitszeichen zu sehen sein als die französische
Trikolore.
Erst vor zwei Tagen gab es bei einer Truppenstellerkonferenz in Brüssel
die Hoffnung, dass Rumänien aushelfen würde. Eine entsprechende
politische Zusage war da. Aber für den Wüsteneinsatz müssen
die versprochenen rumänischen Helikopter umgebaut werden und das
kann wiederum Wochen dauern. Politische Bedenken gibt es gegenüber
der französischen Idee auch Drittstaaten wie die Ukraine und Russland
um Hilfe zu bitten: schließlich sind die Beziehungen der EU zum
Kreml zur Zeit nicht die besten.
Die Europäische Union erlebt am Beispiel Tschad, wie angespannt die
für Außeneinsätze bereit stehenden Teile selbst der größten
Armeen sind. Auch in Afghanistan wird in der NATO um jeden Helikopter
und jedes Einsatzfahrzeug gerungen. Und NATO-Staaten, die sich trotz massiven
amerikanischen Drucks weigern mehr Militärgeräte nach Afghanistan
zu schicken, wollen im Fall des Tschad nicht plötzlich großzügig
erscheinen.
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