Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Tschechische EU-Wirren, AJ, 13.10.2009

Am 27.Oktober werden die tschechischen Verfassungsrichter den jüngsten Einspruch EU-skeptischer Senatoren behandeln. Das wurde heute in Prag bekannt. Aber bekanntlich hat Tschechiens Staatspräsident Vaclav Klaus neue Bedingungen für seine Unterschrift unter den Reformvertrag gestellt, ein Ja der Höchstrichter würde ihm nicht ausreichen. Tschechiens Regierungschef Jan Fischer hat heute in Brüssel mit EU-Kommissionspräsident nach einem Ausweg gesucht.
Ziel bleibt es unverändert, dass der EU-Reformvertrag ab nächstem Jahr in Kraft tritt, das betonen unisono EU-Kommissionspräsident Barroso und der leidgeprüfte Chef der Prager Beamtenregierung Jan Fischer, ungeachtet aller innenpolitischen Wirren in Tschechien.
Wir erwarten, dass es keine künstlichen Hindernisse gibt, so Barroso, schließlich gehören die Grundsätze von Treu und Glauben zu den Fundamenten der EU.
Noch heute früh hat Jan Fischer mit Präsident Vaclav Klaus telefoniert. Aber garantieren kann er nicht, dass Klaus den Reformvertrag unterschreibt, selbst wenn alle Forderungen des EU-skeptischen Präsidenten erfüllt sind.
Trotzdem will Jan Fischer vom EU-Gipfel in zwei Wochen die von Klaus gewünschte Zusicherung erreichen, dass der Reformvertrag keine rückwirkenden Auswirkungen auf die Gültigkeit der 50 Jahre alten Benesdekrete hat, die nach dem Zweiten Weltkrieg zu Enteignung und Vertreibung der Sudetendeutschen geführt haben.
Ein schriftliches Abkommen zwischen Regierung und Präsident soll garantieren, dass Klaus danach nicht wieder neue Hindernisse erfindet. Eine Änderung des Vertrages selbst wird. Rein formal gibt es somit einen Ausweg aus der verzwickten Situation. Unklar ist, ob der EU-skeptische Klaus an einem Vermittlungsangebot eigentlich interessiert ist, oder ob es ihm nicht eigentlich darum geht die EU zu blockieren, indem er daheim geschickt die nationalistische Karte spielt.

 

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