Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Tschechische Präsidentschaft im Chaos, MoJ, 16.4.2009


Noch knappe drei Wochen amtiert in Prag Regierungschef Mirek Topolanek, der auch in der Europäischen Union den Ratspräsidenten stellt. Ab 8. Mai übernimmt seine Funktion der Chef des Statistischen Zentralamtes in Prag Jan Fischer als Leiter einer Übergangsregierung. In Brüssel macht man sich zunehmend Sorgen, dass die EU-Außenpolitik durch eine schwer angeschlagene Präsidentschaft in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.
Schon lange nicht waren die östlichen Grenzen der EU so unruhig wie in diesem Frühjahr. Wie tief die Union in die jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Regierung und Opposition in Moldau hineingezogen ist, konnte man schon an den EU-Fahnen der oppositionellen Demonstranten sehen. Aber von der tschechischen EU-Präsidentschaft war im Augenblick der Krise nur wenig zu sehen und zu hören. In Georgien kämpft Präsident Saakaschwili um sein Überleben. Die Ukraine ist innenpolitisch lahmgelegt. Und ob sich Bielorus wirklich dem Westen annähert, wie man noch vor Kurzem gehofft hat, ist unklar.
Es wäre die Aufgabe der Europäischen Union Krisenfeuerwehr zu spielen und zu vermitteln, so wie Frankreichs Nicolas Sarkozy das im vergangenen Sommer während der Kaukasuskrise getan hat.
Doch Tschechien, das die rotierende Präsidentschaft überhat, ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Am 7.Mai soll es in Prag einen Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs gemeinsam mit den 6 östlichen Anrainerstaaten geben. Theoretisch ein deutliches Zeichen für die stabilisierende Rolle Europas. Aber bis heute ist nicht klar, wer genau aus den östlichen Nachbarstaaten geladen ist. Die tschechische Vertretung in Brüssel muss sich gegen den immer lauter geäußerten Verdacht zur Wehr setzen, der gesamte Gipfel zur östlichen Nachbarschaft könnte abgesagt oder herabgestuft werden, weil die Regierung Topolanek die komplizierten Vorbereitungen nicht mehr schafft.
Nächste Woche will Noch-Regierungschef Topolanek jetzt nach Moldau fahren um die vermitteln. Hoffentlich nicht zu spät, denn niemand weiss, was die zur Zeit laufende Neuauszählung der Stimmen nach den für die regierenden Kommunisten günstig ausgegangenen Parlamentswahlen bringen wird. Noch-Außenminister Schwarzenberg plant eine Reise nach Bielorus. Er will klären, ob der autoritär regierenden Präsident Lukaschenko zu besagtem Nachbarschaftsgipfel geladen werden soll oder nicht.
Offiziell versichert Tschechien, dass sich am Gipfelfahrplan nichts ändern wird. Erst am 9.Mail muss Topolanek seinen Sessel tatsächlich räumen. Am 7. und 8.Mai soll der nächste Anlauf zur Verabschiedung des Reformvertrages im Senat in Prag genommen werden. Das endgültige Ja Tschechiens wäre sozusagen ein Geschenk an Europa, das diese Präsidentschaft mit Sicherheit nicht so rasch vergessen wird. Zeigt das tschechische Beispiel doch deutlich, wie wenig zeitgemäß der rotierende EU-Vorsitz ist. Der Reformvertrag sieht ja erstmals die Funktion eines ständigen EU-Ratspräsidenten vor.

 

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