Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Turbulenzen im CIA, MoJ, 19.11.2004

Sind die gegenwaertigen Turbulenzen in den obersten Etagen des CIA die normale Begleitmusik eines Fuehrungswechsels oder ist der Geheimdienst das Opfer eines Rachefeldzuges der erstarkenden Hardliner in der Regierung Bush? Die Frage beschaeftigt seit Tagen die Oeffentlichkeit, denn selten sind innerhalb so kurzer Zeit so viele Spitzenspione zurueckgetreten wie jetzt. Seit George Bushs neuer CIA-Chef Porter Goss sein Amt angetreten hat, haben sowohl Direktor-Stellvertreter John McLaughlin als auch zwei fuer Geheimoperationen zustaende Abteilungsleiter den Hut genommen. Anfang der Woche sah sich Goss gar veranlasst die Spione Amerikas in einer E-Mail daran zu erinnern, dass ihre Aufgabe in der Unterstuetzung der Regierung bestehe. Auf wundersame Weise fand die E-mail ihren Weg in die New York Times.
Formell versteht sich der CIA als politisch unabhaengige Organisation und die Demokraten schreien jetzt faul, der neue CIA-Chef wolle die Organisation fuer parteipolitische Zwecke missbrauchen, mutmassen sie. Porter Goss, der neue Mann in Langley bestreitet das entscheiden. Im CIA sei so viel schiefgelaufen in den letzten Jahren, argumentiert der republikanische Senator John MacCain, dass ein kraeftiges Durcheinanderschuetteln nicht schaden kann.
Aber man erinnert sich an die heftigen Spannungen, die es in der ersten Amtszeit der Regierung Bush zwischen den neokonservativen Hardlinern und dem vorsichtigeren Geheimdienst stets gegeben hat. Im Pentagon gab phasenweise sogar so etwas wie eine Gegen-Geheimdienstzentrale, weil Vizepraesident Dick Cheney mit den vorsichtigen Analysen des CIA nicht zufrieden war. Dass CIA-Experten die Behauptungen ueber eine Zusammenarbeit zwischen Osama Bin Laden und dem Irak kuehl dementiert haben, hat der Vizepraesident sichtlich nicht vergessen. Der inzwischen zurueckgetretene Leiter der Al Kaida-Abteilung des CIA bekam von seinen Chefs sogar die Genehmigung ein Bush-kritisches Buch ueber den Kampf gegen den Terrorismus zu schreiben. Jetzt sei eben die Saeuberungswelle der Hardliner im Gange, mutmassen Kritiker.
Aber sowohl die Anschlaege des 11.September als auch die Falschinformationen ueber irakische Massenvernichtungswaffen haben unzweifelhaft grobe Schwachpunkte der teuren amerikanischen Geheimdienste aufgedeckt. An der Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reform der Geheimdienste zweifelt kaum jemand. Sodass sich auch das oeffentliche Mitgefuehl mit den von den neuen Chefs unter Druck gesetzten Spionen in Grenzen haelt.

 

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