Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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UNO-Reform blockiert, MiJ, 13.7.2005

Fuer die Vierergruppe Deutschland, Brasilien, Japan und Indien, die seit Monaten fuer ihren gemeinsamen Reformvorschlag zur Reform des UNO-Sicherheitsrates werben, hatte schon der erste Tag der Debatte in der Generalsversammlung boese Ueberraschungen gebracht: sowohl aus Afrika als auch aus Asien wurden in aller Form Gegenvorschlaege angekuendigt. Die Idee, den bisher 15koepfigen Sicherheitsrat um 10 neue Mitglieder zu erweitern, und gleichzeitig der Vierergruppe Deutschland, Brasilien, Japan und Indien permanente Sitze zu geben,
stiess offensichtlich auf mehr Widerstand als erwartet. Aber noch am gestrigen Nachmittag hofften die beteiligten Diplomaten auf einen Schneeballeffekt der Zustimmung, der die Zweifler vielleicht doch noch mitreissen wuerde. Das dezidierte "Nein" der USA hat diesen Traeumen ein Ende bereitet. Die amerikanische Vertreterin sagte, es waere das beste im jetzigen Stadium ueberhaupt auf eine Abstimmung zu verzichten, schliesslich wuerden dadurch nur die Spannungen in der internationalen Gemeinschaft erhoeht. Das groesste Problem fuer die Vierergruppe waren naemlich Staaten aus der gleichen Weltgegend, die den Aufstieg eines regionalen Konkurrenten verhindern wollen. So wandte sich Pakistan gegen Indien, China gegen Japan und Italien gegen Deutschland. Viele EU-Staaten haben den entscheidend von Deutschland ausgearbeiteten Reformvorschlag unterstuetzt. Oesterreich propagierte das mittelfristige Ziele eines gemeinsamen EU-Sitzes im Sicherheitsrat. Sollte die Vierergruppe in der Vollversammlung eine Abstimmung erzwingen, werde Washington mit Nein stimmen, hiess es gestern in New York. Nachdem auch China und Russland den vorgelegten Erweiterungsplan ablehnen, kann der damit wohl begraben werden. Eine ziemliche Niederlage fuer Deutsche und Brasilianer, Inder und Japaner. Wie es weitergehen soll ist unklar. Viele Delegation haben die gegenwaertige Struktur des Sicherheitsrates mit den Siegermaechten des Zweiten Weltkrieges und China als permanenten Mitgliedern mit Vetorecht als ueberholt kritisiert. Ein Gipfel in New York im September hatte urspruenglich die Weichen zur Erneuerung stellen sollen. Ob es dazu kommen kann, ist nach dem Scheitern des ersten ausformulierten Reformvorstosses, voellig offen.


 

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