Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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UNO und EU, MoJ, 16.7.2010

Die Europäische Union will stärker international präsent sein, das ist das erklärte Ziel der Europäer. Seit der Reformvertrag in Kraft ist gibt es immerhin mit der Britin Cathrine Ashton eine EU-Aussenministerin, demnächst wird mit dem Aufbau eines Europäischen Auswärtigen Dienstes begonnen. Allerdings sind es manchmal nur ganz winzige Schritte zu mehr Europa, wie jene, die bei den Vereinten Nationen in New York geplant sind.
Die Europäische Union mit einem gemeinsamen Sitz im höchsten Gremium der UNO. Für Fans des Geeinten Europas gilt das als fernes Ziel, das aber realpolitisch nie wirklich zur Diskussion gestanden ist. Schließlich kann man sich nur schwer vorstellen, wie Großbritannien und Frankreich jemals dazu gebracht werden könnten ihre Stellung als ständige Mitglieder des Sicherheitsrates aufzugeben.
Die EU ist in der Weltorganisation daher nur Beobachter, so ähnlich wie der Vatikan, das Rote Kreuz oder die Arabische Liga. Diese bescheidene Rolle soll jetzt aufgewertet werden.
Noch diesen Sommer wollen die Europäer in New York einen neuen, verbesserten Status für die Union in der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorschlagen. Die EU soll das Recht bekommen Vorschläge im Namen aller 27 zu verfassen, Dokumente zirkulieren zu lassen und auch das Wort zu ergreifen, so wie die Vertreter vollwertiger Mitglieder auch. Ratspräsident Hermann van Rompuy oder Cathrine Ashton würden nach diesem Plan die Europäische Union auch am Rednerpult im Konzert der Nationen vertreten. Auf Augenhöhe mit dem amerikanischen Präsidenten oder Chinas Außenminister.
Für die Vereinten Nationen ist das eine sensible Frage, denn auch die Arabische Liga oder die Afrikanische Union, die um vieles loser zusammenhängen, könnten ähnliche Rechte verlangen. Eine Vielzahl von Organisationen mit gleichen Ansprüchen, das wiederum würde das Funktionieren der Weltorganisation komplizierter machen.
Auch in der EU selbst werden Sorgen laut. Großbritanniens Europaminister sah sich zur beruhigenden Erklärung veranlasst, dass die britische Position im Sicherheitsrat nicht betroffen ist. Und William Hague, der Außenminister beteuert, dass mit einer Aufwertung der EU-Rolle in der UNO keinerlei zusätzliche außenpolitische Kompetenzen für die Union verbunden sind.
In der Praxis koordinieren überall in der Welt Botschafter aus EU-Staaten ihr Vorgehen seit langem. In New York werden die EU-Missionen regelmäßig von den Botschaftern der im Sicherheitsrat vertretenen Staaten informiert, darunter zur Zeit auch Österreich. Es bleibt aber steiniger Weg, der EU mehr Gewicht zu geben auf dem internationalen Parkett.

 

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