Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

UNO-Generalversammlung - Vorschau, MiJ, 16.9.2006

MODERATIONSVORSCHLAG:
In New York beginnt naechste Woche die jaehrliche Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Als Gastgeber wird George Bush die Session eroeffnen, aber auch die schaerfsten Bush-Kritiker wie Irans Mahmoud Ahmedinejad oder Venezuelas Hugo Chavez werden erwartet. Hinter den Kulissen ringen die Delegierten um einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin fuer UNO-Generalsekretaer Kofi Annan, dessen Mandat Ende des Jahres auslaeuft. Das Verhaeltnis der USA zur Weltorganisation hat sich auf jeden Fall deutlich verbessert.
BEITRAG
Ein ausgesprochener UNO-Fan ist George Bush nicht geworden, zu tief sitzt das Misstrauen gegenueber der Weltorganisation in Amerika. Aber es ist auffaellig, wie wichtig die Vereinten Nationen inzwischen wieder fuer die Aussenpolitik der USA geworden sind. Sowohl beim Libanonkrieg als auch in der Auseinandersetzung um das Atomprogramm des Iran haben die USA mit Hilfe des UNO-Sicherheitsrats nach einer Loesung gesucht. Die UNO war es, die schliesslich einen Waffenstillstand durch Friedenstruppen ermoeglicht hat. Und auch die gegenwaertige amerikanische Kampagne fuer Sanktionen gegen den Iran ist an die Adresse des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen gerichtet. Sogar die amerikanischen UNO-Beitraege werden seit einiger Zeit problemlos ueberweisen, auch wenn Washington mit den organisatorischen Reformen in der schwerfaelligen Weltorganisation noch lange nicht zufrieden ist.
George Bush wird kommende Woche vor der Generalversammlung vor allem seine Sichtweise von einer weltweiten Auseinandersetzung zwischen den Kraeften der Demokratie und dem totalitaeren islamischen Fundamentalismus erklaeren, heisst es im Weissen Haus.
Mit dem ebenfalls anwesenden iranischen Praesidenten Ahmedinejad werde er dabei sicher nicht zusammentreffen, versichert Bush.
Dafuer findet der Praesident ausnehmend freundliche Worte fuer UNO-Generalsekretaer Kofi Annan, der die USA wegen des Irakkrieges ja immer wieder kritisiert hat:
OT
Ich mag Kofi Annan persoenlich, ich arbeite gut mit ihm zusammen, so George Bush. Aber viele Amerikaner seien frustriert ueber die Vereinten Nationen.
OT
Er Bush, sei besonders ueber die Untaetigkeit der UNO in Darfur frustriert, wo nach amerikanischer Ansicht ein Genozid passiert, der uns das Herz bricht, so der Praesident
Auf den Strassen von New York wird sich dieses Gefuehl in Kundgebungen und Demonstrationen gegen den Voelkermord in Darfur niederschlagen. Ist es der UNO doch trotz vieler Aufrufe bisher nicht gelungen, dem Morden im Westen des Sudan ein Ende zu bereiten.
Hinter den Kulissen wird in der Weltorganisation jedoch vor allem ein Thema diskutiert: die Nachfolge von Generalsekretaer Kofi Annan, dessen Amtszeit Ende des Jahres auslaeuft. Erst vergangene Woche gab es im Sicherheitsrat wieder eine jener Probeabstimmungen, die den Weg zu einem neuen Generalsekretaer ebnen soll. An erster Stelle landete der suedkoreanische Aussenminister Ban Ki Moon, gefolgt vom indischen Annan-Stellvertreter Shashi Taroor sowie Vertretern aus Thailand, Jordanien und Sri Lanka. Nach dem ueblichen Wechsel zwischen den Kontinenten waere Asien an der Reihe. Und vor allem Suedkorea hat ein weltumspannendes Lobbying fuer seinen Kandidaten, den bei den Testabstimmungen vorne liegenden Aussenminister Ban betrieben.
Der UNO-Generalsekretaer wird zwar von der Generalversammlung bestaetigt, die eigentliche Entscheidungsgewalt liegt jedoch bei den fuenf staendigen Mitgliedern des Sicherheitsrates. Dort wiederum hat diesmal neben den USA auch China als wichtigste asiatische Macht besonderes Gewicht. Keine der Grossmaechte hat sich bisher in die Karten blicken lassen, und niemand schliesst aus, dass auch bisher noch voellig unbekannte Namen auftauchen werden. Kofi Annan selbst, der gegenwaertige Generalsekretaer, ist seinerzeit erst Mitte Dezember, zwei Wochen vor Ablauf der Amtszeit seines Vorgaengers gewaehlt worden. Erst gestern haben die drei baltischen Staaten ungeachtet aller asiatischen Ansprueche auch Lettlands Praesidentin Vaira Vike-Freiberga zur Kandidatin fuer die Position des UNO-Generalsekretaers erklaert. Weitere Ueberraschungen sind moeglich.



 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann