Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

UNO-Reform, Mittagsjournal, 30.11.2004

Mit Spannung erwartet werden diese Woche die Vorschlaege einer hochrangigen Expertenkommission, die sich seit Monaten mit der Reform der Vereinten Nationen beschaeftigt. Auch die Zusammensetzung des Sicherheitsrates soll neu ueberdacht werden. Staaten wie Deutschland und Japan, die einen staendigen Sitz im hoechsten UNO-Gremium verlangen, erhoffen sich von der erwarteten Diskussion die Chance ihr Ziel durchzusetzen.
UNO- Generalsekretar Kofi Annan hat die Reformkommission vor einem Jahr eingesetzt, als die heftigen Auseinandersetzungen um den Irakkrieg noch ganz frisch waren. Jewgeni Primakow, der ehemalige sowjetische Premierminister, Brent Scowcroft, einst Sicherheitsberater im Weissen Haus und 14 anderen hochrangige Persoenlichkeiten sollten Vorschlaege erarbeiten, wie sich die UNO veraendern muss um die aktuellen Herausforderungen besser zu bewaeltigen. Terrorismus, organisierte Kriminalitaet und AIDS als neue Bedrohungen, stehen ebenso auf dem Themenzettel der Experten wie Verbesserungen im oft muehsamen Verwaltungsapparat der Weltorganisation.
Kommenden Donnerstag werden die insgesamt 100 Reformvorschlaege der Oeffentlichkeit vorgestellt, dann beginnt ein langwieriger Diskussionsprozess, der laut Plan in einem Weltgipfel der Staats und Regierungschefs im Herbst 2005 in New York muenden soll.
Besondere Aufmerksamkeit erwecken dabei die Aenderungsvorschlaegen fuer den UNO-Sicherheitsrat, dessen Struktur ja vor bald 60 Jahren am Ende des Zweiten Weltkrieges festgelegt wurde. Die 5 staendigen Ratsmitglieder USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich, mit ihrem Vetorecht, entsprechen nicht mehr der Wirklichkeit des 21.Jahrhunderts, sagen Kritiker. Japan und Deutschland, die auf ihre hohen finanziellen Beitraege hinweisen, sowie Indien und Brasilien, den regionalen Riesen Asiens und Lateinamerikas, betreiben seit Monaten gemeinsames Lobbying fuer den Sprung in das hoechste UNO-Gremium.
Die Experten werden kommenden Donnerstag nach allem, was man weiss, grundsaetzlich einer Erweiterung des bisher 15koepfigen Sicherheitsrates auf 24 Mitglieder zustimmen. Zwei Varianten will man zur Diskussion stellen: entweder sechs neue staendige Mitglieder, was den Vorstellungen Deutschlands und Japans entgegenkommen wuerde. Oder acht halbpermanente Mitgliedsstaaten, deren Mandat nach jeweils 4 Jahren von der Generalversammlung erneuert werden kann. Das Vetorecht der fuenf bisherigen Staendigen Mitglieder, USA, Russland, China, Grossbritannien und Frankreich, wuerde nach diesem Vorschlag nicht angetastet und es gaebe nur mehr eine kleine Anzahl rotierender Mitgliedsstaaten.
Die Diskussion in der Generalversammlung, wo alle 191 UNO-Mitglieder vertreten sind, Ideen verspricht interessant zu werden, gibt es doch in jedem Kontinent Nachbarn die den engagiertesten Bewerbern fuer eine neue Fuehrungsrolle in der Weltorganisation liebend gerne Knueppel in den Weg legen. Dem Beitrittwunsch Deutschlands wird etwa von den EU-Partnern Italien und Spanien ziemlich offen widersprochen. Oesterreich wuenscht sich einen gemeinsamen EU-Sitz im Sicherheitsrat, wozu es allerdings in der naechsten Zukunft kaum kommen wird.
Die Reformdiskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Vereinten Nationen neuerlichen heftigen Attacken aus dem erstarkten konservativen Lager in den USA ausgesetzt ist. Immer wieder kommt es in der amerikanischen Oeffentlichkeit auch zu direkten Ruecktrittsaufforderungen an UNO-Generalsekretaer Kofi Annan, der im Zusammenhang mit dem Irakkrieg wiederholt die Klingen mit der Regierung Bush gekreuzt hat. Der amerikanische Kongress untersucht Korruptionsvorwuerfe im Zusammenhang mit den von der UNO kontrollierten Oelverkaeufen des Saddam Hussein Regimes, von denen auch der Sohn Kofi Annans, Kojo Annan, betroffen ist.
Keine einfache Situation fuer den Generalsekretaer, denn ohne Untestuetzung durch die Supermacht Amerika, die mehr als ein Fuenftel des UNO-Budgets finanziert, kann die Weltorganisation weder gefuehrt noch gar reformiert werden.

 

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