Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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UNO-Sex-Skandal, Morgenjournal, 20.12.2004

Nach den Korruptionsvorwuerfen im Zusammenhang mit den irakischen Oelverkaeufen vor dem Sturz Saddam Husseins stellt der Sex-Skandal, in den UNO-Friedenstruppen in Afrika verwickelt sind, eine neuerliche Belastung fuer die Weltorganisation dar. Erst am Wochenende sind zwei UNO-Soldaten in Burundi wegen sexuellen Fehlverhaltens vom Dienst suspendiert worden. Die UNO untersucht ueber hundert Faelle moeglichen sexuellen Missbrauchs im benachbarten Kongo, wo zur Zeit die groesste Friedensmission der Weltorganisation stattfindet. Tausende junge Maenner, ausgestattet mit Dollar und der Machtposition von UNO-Soldaten in einem verarmten Kriegsgebiet, das hat auch schon in anderen Weltgegenden zu schweren Problemen gefuehrt.
Dass es im Kongo zu Kindesmissbrauch und verbotener Prostitution gekommen ist, hat UNO-Generalsekretaer Kofi Annan schon vor Wochen zugegeben. Er versprach eine Politik von Null Toleranz, eine umfassende Untersuchung setzte ein. Doch die UNO-Ermittler klagen jetzt ueber Bestechungsversuche und massive Behinderungen, auch von den UNO-Kommandanten vor Ort, die mehr darum bemueht sind ihre Soldaten zu schuetzen als den guten Namen der Vereinten Nationen.
Fuer eine Flasche Wasser oder eine Lebensmittelration sollen Soldaten Sex von Kindern verlangt haben. Ein Soldat aus Nepal wird beschuldigt ein 14jaehriges Maedchen drei Tage lang vergewaltigt zu haben. Ein ziviler UNO-Mitarbeiter, dem inzwischen in Frankreich der Prozess gemacht wird, liess sich von seiner Koechin junge Maedchen zufuehren. Von den pornografischen Fotos, die der Mann von den Kindern anfertigte, heisst es, wenn sie je an die Oeffentlichkeit gelangen, dann koennte das das Abu Graib der Vereinten Nationen werden.
Rechtlich hat die UNO aber wenig Durchgriffsmoeglichkeiten. UNO-Blauhelme unterstehen der Rechtssprechung der Staaten, aus denen sie kommen. Und dass man in der Heimat Vorwuerfe aus Krisengebieten gegen UNO-Mitarbeiter nicht immer ernst nimmt, hat sich auch in Europa beim Kosovoeinsatz gezeigt. Dazu kommt auch eine sicherheitspolitische Zwickmuehle: die UNO tut sich schwer Blauhelme fuer internationale Einsaetze zu finden. Wenn Soldaten aus Laendern, die bereitwillig Blauhelme schicken, bestraft werden oder oeffentlich angeprangert werden, dann kann das dort zu einem unangenehmen Backclash fuehren. Die Untersuchungen im Kongo haben sich bisher auf Einheiten aus Uruguay, Suedafrika und Marokko konzentriert.
UNO intern wird jetzt nach Wegen zu einem strengeren Regime fuer Blauhelme gesucht. Auch obligatorische Blutproblem fuer alle Mitarbeiter werden erwogen, um spaetere Untersuchungen zu erleichtern. Im UNO-Hauptquartier in New York fuerchtet man, dass Untaetigkeit das brennende Problem des sexuellen Missbrauchs durch UNO-Einheiten auf die Dauer nur noch gefaehrlicher machen koennte


 

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