Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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US-Bruch mit Chalabi, ZiB 2, 21.5.2004

Hunderte Polizisten unterstuetzt von amerikanischen Soldaten waren an der Aktion in Bagdad beteiligt,
Wie nach einer Jagd auf Schwerverbrecher sah es danach in den Bueros des Irakischen Nationalkongresses aus.
Doch der empoerte Hausherr ist kein gefaehrlicher Terrorist, sondern Achmed Chalabi, maechtiges Mitglied des Provisorischen Regierungsrates und lange Zeit der engste Verbuendete der USA im turbulenten Irak.
Viele Millionen Dollar waren aus dem Pentagon ueber die Jahre in die Parteikassen des umstrittenen Politikers geflossen. Noch vor vier Monaten war Chalabi Ehrengast des Praesidenten im Kongress.
Jetzt muss er sich sogar gegen den Vorwurf der Spionage fuer den Iran rechtfertigen. Der Bruch mit dem einstigen Schutzherrn Amerika ist perfekt.
Jahrelangen Streit mit dem CIA macht Chalabi jetzt fuer das spektakulaere Zerwuerfnis verantwortlich.
Die Besatzungsbehoerden berufen sich sich auf Beschluesse der irakischen Justiz und waschen ihre Haende in Unschuld.
Tatsaechlich war Chalabi vor allem Vertrauensperson des Pentagon gewesen. Von ihm waren die Informationen ueber angebliche Massenvernichtungswaffen, die die USA als Kriegsgrund nannten.
Chalabi wollte Praesident des neuen Irak werden, aber in der Bevoelkerung fanden die proamerikanischen Politiker aus dem Exil keine Unterstuetzung.
Chalabi zieht die Konsequenzen. In einer Kertwendung verlangt er jetzt die voellige Selbstbestimmung fuer die Iraker, ohne Bevormundung durch die USA oder die UNO.
Von der urspruenglichen Strategie, mit dem die USA vor mehr als einem Jahr in Bagdad einmarschiert sind, ist jetzt nicht mehr viel uebrig. Die Hoffnungen, die Washington in die irakischen Exilpolitiker und ihre grossen Versprechungen gesetzt hat, haben sich nicht erfuellt. Jetzt sucht die Besatzungsmacht wieder Kontakte mit Offizieren der alten Armee und ehemaligen Mitgliedern der unter Saddam Hussein regierenden Baath Partei.


 

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