Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  Aktuelle Analysen
   

US-Budgetpolitik, MiJ, 19.11.2005

Als der Hurrikan Katrina die so erschreckend weit verbreitete versteckte Armut in New Orleans zu Tage foerderte und die ganze Nation zu diskutieren begann, wie den bedrohlichen Schwaechen der Infrastruktur zu begegnen ist, da hofften viele auf neue Prioritaeten fuer das Land. Versprach doch auch George Bush einen Kampf gegen die Armut und Milliarden fuer den Wiederaufbau der Region.
Zweieinhalb Monate spaeter erlaubt die Budgetdiskussion in beiden Haeusern des Kongresses eine Zwischenbilanz. Mit ihrer Methode der Steuerkuerzungen um jeden Preis tun sich die regierenden Republikaner schwerer als bisher, das bestaetigt sich in vielen Einzelentscheidungen. Vor allem im Repraesentantenhaus, das gerne die radikalsten Positionen einnimmt, gibt es erste Anzeichen fuer die Wiederauferstehung eines gemaessigt-konservativen Zentrums. Aber von einer echten Umorientierung ist man weit entfernt. Trotz des offiziellen Ziels einer Eindaemmung des Budgetdefizits hat der Senat in seinem Budgetentwurf Steuerkuerzungen der ersten Amtszeit Bushs in der Hoehe von 60 Milliarden Dollar fortgeschrieben. Und das, obwohl die Ausgaben fuer den Irakkrieg explodieren und auch der Wiederaufbau nach Katrina im Sueden hohe Kosten verursacht. Der Vorschlag die Supergewinne der Erdoelriesen mit einer Sondersteuer zu belegen wurde verworfen, der Praesident droht selbst die kleinste zusaetzliche Belastung mit seinem Veto zunichte zu machen.
Gleichzeitig hat das Repraesentantenhaus ein Sparbudget beschlossen: insgesamt 50 Milliarden Dollar will man durch Kuerzungen im Sozialbereich erreichen. Der Rotstift wurde bei Lebensmittelmarken, Gesundheitsprogrammen fuer die Armen und Stipendien angesetzt. Aber nur haarscharf, mit einer Stimme Mehrheit wurde dieser Haushaltsvorschlag verabschiedet. Um einer peinlichen Niederlage zu entgehen, hat die Regierungspartei viele Kompromisse machen muessen. Urspruenglich vorgesehene viel schmerzlichere Schnitte im Sozialsystem musste man fallen lassen.
Im komplizierten amerikanischen System wird es jetzt Verhandlungen zwischen den beiden Haeusern des Kongresses geben, um zu einer gemeinsamen Linie zu kommen. Und auch das Weisse Haus hat auf Grund des Vetorechts des Praesidenten noch ein Woertchen mitzureden. Aber die Grundlinie einer leicht abgeschwaechten Fortsetzung der bisherigen Wirtschaftspolitik mit niedrigen Steuern und sinkenden Sozialausgaben zeichnet sich ab. Auch bei grosszuegigen Ausgaben, dort wo man es aus politischen Gruenden fuer erforderlich haelt, wie fuer Sicherheit und Militaer oder zur Beseitigung der Hurrikanschaeden wird es bleiben.
Das Vertrauen der internationalen Finanzwelt in die amerikanische Wirtschaft scheint durch diese Aussichten nicht gemindert, im Gegenteil: nie zuvor ist so viel Kapital in die USA geflossen wie diesen Herbst. 102 Milliarden Dollar waren es alleine im September, die angelockt durch steigende Zinsen und hohe Gewinnerwartungen von aussen ins Land kamen.
Der Rest der Welt scheint nach wie vor gerne bereit die amerikanischen Finanzluecken zu finanzieren.

 

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