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US-Militaeraufwand im Irak,
MoJ, 26.1.2005
Lange Zeit hatten amerikanische
Regierungspolitiker die Wahlen im Irak am kommenden Sonntag mit der Perspektive
eines moeglicherweise beginnenden Rueckzugs amerikanischer Truppen verbunden.
Die Irakis sollen demnaechst ihre eigene Verteidigung uebernehmen, hiess
es waehrend des amerikanischen Wahlkampfes auch vom Praesidenten.
Die neuesten Planungen des Pentagon kommen jetzt einer kalten Dusche fuer
solche Hoffnungen gleich. Fuer die naechsten zwei Jahre rechnen die kuehlen
Planer der Armee mit keiner signifikanten Truppenreduktion, laesst der
zustaendige Planungschef die Oeffentlichkeit wissen. 150 000 amerikanischen
Soldaten stehen gegenwaertig im Irak, die Zahl wurde in Hinblick auf den
Wahltermin erst im Herbst erhoeht. Unter 120 000 wird man bis ins Jahr
2007 kaum gehen koennen, vermuten die Militaers. Offensichtlich haelt
sich das Vertrauen der Praktiker im Pentagon demnaechst tatsaechlich kampffaehige
irakische Truppe in Grenzen.
Ein derart unerwartet langgezogener Einsatz kostet, und zwar riesige Summen.
Nachdem die Regierung dem Kongress erst kuerzlich eine Finanzspritze von
25 Milliarden Dollar fuer den Irak abgerungen hatte, kommen fuer das kommende
Budgetjahr neuerliche 80 Milliarden dazu. Insgesamt haben die Kriege in
Afghanistan und dem Irak die amerikanischen Steuerzahler bisher an die
300 Milliarden Dollar gekosten. Das ist umgerechnet fast vier mal so viel
wie ein gesamtes Jahresbudget des Staates Oesterreich. Um vieles mehr,
als urspruenglich angenommen wurde. Hiess es doch manchmal sogar, die
Iraker wuerden sich ihre Befreiung aus Oeleinkuenften selbst bezahlen.
Aber die Vorstellung, dass die USA den Irak in Wirklichkeit noch lange
nicht verlassen werden, kommt nicht nur von den streng rechnenden Militaers.
In der angesehenen Washington Post spricht sich Ex-Aussenminister Henry
Kissinger gemeinsam mit seinem Kollegen George Shultz gegen die Idee aus,
die USA braeuchten so etwas wie eine Exit-Strategie im Irak. Eine Guerillabewegung
gewinnt, wenn sie nicht verliert, schreiben Kissinger und Shultz trocken,
und im Irak sei die Guerilla nicht dabei zu verlieren. Wie der Irakische
Erfahrung ausgeht, werde die amerikanische Aussenpolitik ueber Jahrzehnte
praegen. Die USA muessen daher sowohl die Niederwerfung der Aufstandsbewegung
zu Ende fuehren, als auch den Umbau des Irak im Sinne von Stabilitaet
und Demokratie, schreiben die beiden Ex-Aussenminister Kissinger und Shultz.
Die Diskussion um Preis und Ziel der amerikanischen Irakpolitik wird wohl
nicht so bald zu Ende sein.
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