Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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US-Reaktionen auf EU-Krise, Morgenjournal, 3.6.2005

Erst in der juengsten Vergangeheit hatte man in den USA begonnen, die EU langsam als weltpolitischer Faktor ernst zu nehmen. Umso groesser ist jetzt das Erstaunen ueber das zweifache Debakel bei den Verfassungsreferenden in Europa.
Das Volk hat gesprochen, hoert man im amerikanischen Fernsehen, und es hat nein gesagt
OT TV
Es war ein Nein auch zum Projekt von Vereinigten Staaten von Europa, so maechtig wie die USA, heisst es im Fernsehsender NBC.
Den Europaern sei offensichtlich doch nicht so sehr an einem selbstaendigen und geeinten Auftreten in der Welt gelegen, wie man das bisher geglaubt hatte.
Sogar der Dollar ist ploetzlich wieder im Aufwind, der Euro stuerzt ab, wundern sich die Experten.
Richtige Schadenfreude ueber die europaeische Krise toent aus dem neokonservativen Lager, das den Europaern ihren Widerstand gegen den Irakkrieg nicht verzeihen kann. Die EU hat eine Fahne, die niemand gruesst und einer Hymne, die niemand kennt, jetzt ist das europaeische Projekt am Ende, jubelt der konservative Publizist George Will.
Die amerikanische Regierung hat dagegen gerade in George Bush's zweiter Amtszeit auf verstaerkte Zusammenarbeit mit Europa gesetzt. Wenn dieser Partner durch interne Streitigkeiten blockiert ist, dann kann das nicht im amerikanischen Interesse sein, argumentieren Aussenpolitikexperten in Washington.
Die USA sind froh, dass sie starke europaeische Partner haben, versicherte heute AUssenministerin Condoleezza Rice nach ihrem Treffen mit der Spitze der EU, alles andere seien interne Angelegenheiten der Europaer.
OT Condy
Man hoffe , dass die EU nach wie vor ein nach aussen offenes Projekt bleibe, offen fuer alle neuen Demokratien, auch die Tuerkei, sagt Condoleeza Rice.
Gegen einen Daempfer, damit die EU-Plaene nicht in den Himmel wachsen, hat man also in Washington wohl nicht wirklich etwas einzuwenden. Das Katastrophenszenario einer Rueckkehr zu miteinander rivalisierenden Nationalstaaten auf dem Alten Kontinent, koennen dagegen auch die EU-kritischsten amerikanischen Politiker nicht wuenschen.



 

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