Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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US-Skepsis gegenueber neuem Papst, ZiB 3, 20.4.2005

In den USA stehen die Katholiken zwar einer protestantischen Mehrheit gegenueber, aber der Fuehrungswechsel in Rom schlaegt auch hier die Oeffentlichkeit in seinen Bann. Und die Schlagzeilen sind recht widerspruechlich in einem Land, in dem sich die Menschen viel intensiver mit religioesen Themen auseinandersetzen als in Europa. Recht enttaeuscht von der Wahl Kardinal Ratzingers zum Papst zeigt sie sich, wie konnte es dazu kommen. In Tagen wie diesen braucht man einen Konservativen, meint er.Er ist der richtige fuer eine Situation in der die Welt ausser Kontrolle geraet. Amerikas Katholiken haben schwere Zeiten hinter sich. Der Skandal um wiederholten sexuellen Missbrauch von Jugendlichen durch Priester hat das Ansehen der Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die gut organisierten Missbrauchsopfer kritisieren, in seiner Funktion als Chef der Glaubenskongregation habe Joseph Ratzinger die Aufklaerung erschwert. Er habe einen verheerenden Ruf bei sehr Vielen, sagt die Vaticanexpertin des Fernsehsenders CBS, Margaret Hebbethwaite, als jemand, der kritische Theologen verfolgt hat, der Chef der Gedankenpolizei, der Herr der Inquisition. Vor allem eine Initiative des damaligen Kardinals in Richtung
USA ist noch in frischer Erinnerung: Joseph Ratzinger empfahl katholischen Politikern, die fuer das Recht auf Abtreibung eintreten, die Kommunion zu verweigern. Mitten im hart umkaempften Praesidentschaftswahlkampf. Das haette auch John Kerry treffen koennen. Die liberale Oeffentlichkeit Amerikas war empoert. Die amerikanischen Katholiken sind polarisiert, analysiert der Religionssoziologe Dean Hoge von der Katholischen Universitaet in Washington. Ratzinger ist der Held der einen Fraktion, aber nicht der anderen. Einige sind begeistert, weil sie den Heiligen Geist jetzt auf ihrer Seite glauben, andere sind vorsichtig oder sogar etwas beunruhigt. Die Mehrheit der amerikanischen Katholiken wuenscht sich eine Aufhebung des Zoelibats, Frauen als Priester und mehr Rechte fuer die Laien. Solche Reformen sind unter dem neuen Papst wohl kaum zu erwarten.
Die Katholiken sind zwar eine Minderheit in den USA, aber mit 60 Millionen
Glauebigen stellen sie trotzdem die groesste unter den zahlreichen religioesen Gruppen des Landes dar. Der verstorbene Papst ist hier oft wie ein Superstar gefeiert worden, auch wenn man sich um seine Lehren oft nur wenig gekuemmert hat. Keine leichte Vorgabe fuer den Nachfolger, der schon durch seine fruehere Stellung als Sprecher der Konsrvativen innerhalb der Kirche immer wieder heftigen Widerspruch hervorgerufen hat.



 

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