Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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US-Umweltschutzdiskussion, MiJ, 4.7.2005

In den Vorbereitungen zum G8-Gipfel in Schottland war die amerikanische Delegation bemueht all jene Passagen abzuschwaechen, die den Klimaschutz ins Zentrum gestellt haben. Ungeachtet aller Appelle von Umweltschuetzern und besorgten Wissenschaftlern ist Praesident Bush nach wie vor nicht davon ueberzeugt, dass die Erwaermung der Erdatmopshaere etwas mit durch Menschen verursachte Luftverschmutzung zu tun hat.
Aber das Meinungsklima in den USA selbst veraendert sich, das spiegelt sich auch in den Medien wieder.
CNN OT
Anders als im Weissen Haus hat sich im zweiten Machtzentrum in Washington, im Kongress, in den letzten Wochen ein wenig beachteter Meinungsumschwung abgespielt. Erstmal hat der Senat einen Zusammenhang von Erderwaermung und Treibgasausstoss anerkannt. Der Senat, das ist jenes Gremium, das noch vor wenigen Jahren den Vertrag von Kyoto einstimmig verworfen hat. Die Senatoren sprechen sich sogar fuer eine Begrenzung des Schadstoffausstoesses aus, bisher ein absolutes Tabu in der amerikanischen Umweltpolitik.
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Das ist so etwas wie eine Trendwende, urteile Julie Anderson, Sprecherin der kritischen Wissenschaftler in der Union of Concerned Scientists.
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Eine Mehrheit von Senatoren hat sich fuer verpflichtende Grenzen bei den Treibhausgasen ausgesprochen. Aktion haben die Senatoren noch keine gesetzt, sagt Julie Anderson.
Aber es ist das erste Mal, dass eine Mehrheit von Senatoren sagt, wir muessen etwas unternehmen.
In den letzten Wochen gab es eine ganze Reihe von Wortmeldungen in die gleiche Richtung. Einstimmig hat sich die gesamtamerikanische Buergermeisterkonferenz für eine Senkung der Schadstoffausstoesse um 7 Prozent bis 2012 ausgesprochen. Die amerikanische Akademie der Wissenschaften schloss sich ebenfalls zum ersten Mal einem weltweiten Aufruf zum Handeln an.
Am meisten Eindruck hat es in Washington jedoch gemacht, dass 23 global agierende Wirtschaftsunternehmen sich dafuer ausgesprochen haben eine internationale Boerse fuer Schadstoffausstoesse einzurichten, wie das seinerzeit auch in Kyoto vereinbart wurde. Auch amerikanische Ikonen wie Ford und General Electric waren dabei. Im amerikanischen Fernsehen bemuehen sich selbst Unternehmen, die bei den Oekologen als Hardliner gelten, um ein umweltfreundliches Image.
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Juli Anderson, die Umweltsprecherin der Union of Concerned Scientists sieht viele Firmen unter Druck ihrer Aktionaere, die wissen wollen, was die Klimaveraenderung fuer die Wirtschaft bedeutet.
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Es gab eine ganze Reihe von Resolutionen auf Aktionaersversammlungen, die von den Firmen verlangen, dass sie sich mit Klimaschutz beschaeftigen, sagt Julie Anderson, und dass untersucht wird, wie der Treibhauseffekt sich auf die Zukunft der Geschaefte auswirkt.
Die meisten Umweltschutzgruppen gelten im politisch polarisierten Amerika als linksliberal. Aber auch innerhalb der einflussreichen christlich-evangelikalen Gruppen entsteht ein Ökofluegel.
Das Evangelikale Umwelt-Netzwerk wird von Reverand Jim Ball gefuehrt.
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Jesus ist der Herr ueber alle Aspekte unseres Lebens. Daher muessen wir uns fragen, was hat das fuer Auswirkungen, wie ich lebe? Was fahre ich fuer ein Auto ? Beziehe ich meine elektrische Energie aus einer erneuerbaren Energiequelle oder aus einem Kohlekraftwerk. Wir stellen all diese Fragen und wollen auch, dass unsere Politiker darauf Antwort geben.
Bezeichnend fuer das sich wandelnde Umweltklima in den USA ist fuer viele das ploetzlich Engagement des kalifornischen Gouverneurs Arnold Schwarzenegger. Schwarzenegger hat Kalifornien in einer sogenannten Executive Order zu einer signifikanten Reduktion der fuer die Ozonschicht schaedlichen Gase verpflichtet, ganz aehnlich dem Vorgehen in Europa. Ausdruecklich wandte sich Schwarzenegger gegen die Zweifel seines republikanischen Parteifreundes im Weissen Haus.
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Die amerikanische Oeffentlichkeit begreift, was los ist, viele Unternehmen begreifen es und in der Politik gibt es gewisse Fortschritte, gibt sich Umweltaktivistin Julie Anderson zuversichtlich.
Aber es muss sich noch immer einiges bewegen.
Allen amerikanischen Vorstoessen gemeinsam ist ein grosses Vertrauen, dass die zukuenftige technologische Entwicklung die Probleme loesen wird. Man setzt auf saubereres Benzin, Hybridautos, in denen neben dem Benzinmotor auch ein Elektromotor laeuft, und andere Formen der umweltfreundlichen Energiegewinnung. Wobei auch die Atomenergie wieder diskutiert wird, auch in oekologischen Kreisen. Das einfache Energiesparen, dass in Europa so stark diskutiert wird, hat dagegen hier wenig Anhaenger.
George Bush koennte mit seinem Nein zu jeder Art verbindlicher Auflagen zur Reduktion des Schadstoffausstosses jedoch bald in die Minderheit kommen, wenn der gegenwaertigeTrend zur Forderung nach wirksamerem Klimaschutz in den USA anhaelt.


 

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