Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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US-Kertwende zu El Baradei, AJ, 8.6.2005

Nach Informationen der Washington Post ist die amerikanische Regierung dabei eine spektakulaere Kertwendung in einem der heissesten personellen Streitpunkte zwischen Europa und den USA zu vollziehen. Es geht um die Position des Chefs der Atomenergiebehoerde in Wien, ein sensibler Posten angesichts der wachsenden Bedeutung nuklearer Fragen. Die USA haben offensichtlich ihren Widerstand gegen Mohammed El Baradei, den bisherigen Leiter der Behoerde aufgegeben. Morgen wird der gebuertige Aegypter bei Aussenministerin Condoleeza Rice in Washington erwartet, dann will man offiziell das Kriegsbeil begraben. Der international hoch angesehene Fachmann hat nun die besten Chancen auf eine dritte Amtszeit. Waehrend der Irakkrise hatte Baradei den amerikanischen Aussagen ueber angebliche Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins wiederholt widersprochen. Die USA fuhren daraufhin ihre Zusammenarbeit mit der Wiener Atomenergiebehoerde zurueck und versuchten eine dritte Amtszeit El Baradeis zu blockieren. Aber die Supermacht blieb bei diesem Versuch voellig allein. Jetzt zieht die amerikanische Diplomatie die Notbremse, man ist bereit sich mit dem ungeliebten IAEO Chef zu arrangieren. Immerhin einen haerteren Kurs gegen den Iran moechte Condolleeza Rice beim morgigen Treffen im Gegenzug einfordern.
Pikanterie am Rande: der Mann, der in der amerikanischen Fuehrung die Kampagne gegen El Baradei ganz besonders aktiv betrieben hat, ist jetzt selbst in Schwierigkeiten. John Bolten, den sich George Bush als neuen amerikanischen UNO-Botschafter wuenscht. Die Bestaetigung Boltens durch den Senat wird von Woche zu Woche hinausgezoegert.

 

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