| |
|
USA isolieren sich im Nahen
Osten, MoJ, 29.7.2006
Die unvorsichtige Aussage
eines Ministers in Jerusalem, Israel haben gruenes Licht erhalten zur
Fortsetzung seiner Angriffe, wurde vom Sprecher des State Departments
zwar als skandaloes zurueckgewiesen. Aber mehr als zwei Wochen nach Ausbruch
des Libanonkrieges bleiben die USA dabei, dass Hisbolla erst besiegt und
entwaffnet werden muss, bevor einer dauerhafter Friede moeglich. Auch
Tony Blair hat sich gestern implizit dieser Meinung angeschlossen Eine
Position, die die Regierung Bush international so stark isoliert hat,
wie das seit dem Irakkrieg nicht mehr der fall war. Sowohl bei der Libanonkonferenz
in Rom als auch im UNO-Sicherheitsrat in New York stand in dieser Frage
nur Grossbritannien auf der Seite der Amerikas. Die monatelangen Bemuehungen
um ein groesseres transatlantisches Verstaendnis scheinen im Augenblick
der Krise wie weggeblasen..
Die amerikanische Oeffentlichkeit haelt Israel und damit auch der proisraelischen
Haltung der Regierung unveraendert die Stange. Aber unter den Aussenpolitikexperten
des Landes hat jetzt doch eine Diskussion ueber die Gefahren eines neuerlichen
Alleinganges Amerikas eingesetzt. In der Washington Post kritisert Bill
Clintons erster Aussenminister Warren Christopher die amerikanische Diplomatie
als kurzsichtig und falsch. Ein dauerhafter Friede im Nahen Osten koennen
nur das Ergebnis langwieriger Verhandlungen sein, das Blutvergiessen zu
stoppen sei dafuer die allererste Voraussetzung. Warren Christopher erinnert
an seine eigene Pendeldiplomatie nach zweimaligen Katjuschaangriffen auf
den Norden Israels in den Neunzigerjahren und er verlangt Verhandlungen
mit Syrien und dem Iran. Sich zu weigern, mit Staaten zu reden, die man
nicht mag, sei eine Garantie zum Scheitern.
Ein angesehener republikanischer Senator, Chuck Hagel, verlangt die Einsetzung
eines Nahostbeauftragen des Praesidenten, weil sich die Regierung Bush
zu wenig fuer einen Friedensprozess einsetzt. Auch der Republikaner Chuck
Hagel will einen sofortigen Waffenstillstand und Verhandlungen mit Syrien.
Aber publizistisch sind jetzt wieder die neokonservativen Hardliner in
der Offensive. Dass Israel keine andere Wahl hat als sich zu verteidigen,
dass wird aus ihrer Sicht jeden Tag neu durch die Hisbollah-Raketen auf
Wohngebiete bestaetigt. Und dass die erhoffte Zerschlagung der schiitischen
Fundamentalistenmiliz auch den Weg zu einem demokratischen Libanon freimachen
wird, wie die offizielle amerikanische Regierungslinie lautet, das passt
in ihr Weltbild. Die fuer europaeische Ohre so unverstaendlich klingende
Erwartung der amerikanischen Aussenministerin, die gegenwaertigen Kriegslaerm
koenntes sich als Geburtswehen eines neuen, demokrtischen Nahen Ostens
herausstellen, erinnert denn auch an aehnlich zuversichtliche Voraussagen
vor dem Irakkrieg.
nach oben,
Fenster schließen
|