Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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USA zu Irankrise, MoJ, 11.1.2006

MODVORSCHLAG
Trotz der Proteste aus dem Westen will der Iran sein Atomprogramm fortsetzen, das hat der iranische Praesident Ahmeddinejad neuerlich klargemacht. Der britische Premierminister Tony Blair hat gestern Wirtschaftssanktionen fuer moeglich bezeichnet und sogar einen militaerischen Schlag nicht ausgeschlossen. Auch aus Washington kommen jetzt schaerfer Toene.
BEITRAG RL
Es sei jetzt wahrscheinlicher denn je, dass das iranische Atomprogramm vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen kommt. Konkreter will man sich in Washington nach wie vor nicht aeussern. Der Pressesprecher des Weissen Hauses spricht nur von intensiven diplomatischen Verhandlungen, vor allem, aber nicht nur, mit den Europaern.
Die amerikanische Regierung ist ja seit Jahren davon ueberzeugt, dass es dem iranischen Regime in Wirklichkeit um den Bau von Atomwaffen geht und nicht um die friedliche Nutzung der Kernenergie, wie Teheran behauptet. Dass die USA nach anfaenglichen Zweifeln die Verhandlungsbemuehungen der Dreiergruppe von Briten, Deutschen und Franzosen doch unterstuetzt haben, habe jetzt zumindest bewirkt, dass das iranische Regime international so isoliert sei, wie schon lange nicht, sagt man im State Department.
Der amerikanische Fahrplan, ueber den hinter den Kulissen verhandelt wird, sieht eine Krisensitzung der Internationalen Atomenergiebehoerde in Wien innerhalb der naechsten zwei Wochen vor. Legen sich die zoegernden Russen und Chinesen diesmal nicht quer, dann koennte auf diesem Treffen der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angerufen werden. Dort hat im Februar der amerikanischen UNO-Botschafter John Bolton den Vorsitz, und der wird die Iranfrage zweifelsohne mit grosser Vordringlichkeit behandeln.
Aber sowohl China als auch Russland, die ein hartes Vorgehen gegen Teheran bisher abgelehnt haben, verfuegen im Sicherheitsrat ueber ein Vetorecht. Bis zu Wirtschaftsanktionen, wie sie etwa Tony Blair angesprochen hat, waere es daher ein auf jeden Fall noch ein langer Weg.
In Washington betont der Praesident zwar immer wieder, dass man im Konflikt mit Teheran nichts grundsaetzlich ausschliessen will, auch die Anwendung von Gewalt nicht. Aber die anfaenglichen recht haefigen martialischen Toene von Regimewechsel im Iran sind seltener geworden. Die amerikanischen Streitkraefte sind derart mit der Irakkrise beschaeftigt, dass ein neuer heisser Konfliktherd eine schwere Belastung waere. Das iranische Regime verfuegt ueber grossen Einfluss in der schiitische Bevoelkerung vor allem im Suedirak, und man weiss, dass der Iran im Fall einer Konfrontation durchaus die Moeglichkeit haette zurueckzuschlagen, und zwar im Irak, wo die USA zusaetzliche Krisenherde ganz sicher nicht brauchen koennen.

 

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