Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Umstrittene Abhoerpraktiken, AJ, 17.1.2006

Ob der Praesident ueberhaupt das Recht hat, von der ultrageheimen Spionageorganisation National Security Agency zu verlangen, dass sie internationale Telefongespraeche oder Emails amerikanischer Buerger abhoert, und zwar ohne Gerichtsbeschluss, das gehoert zu den heisstesten politischen Themen in Washington. Der Kongress untersucht und Buergerrechtsorganisationen haben Klagen angekuendigt. Der ehemalige Vizepraesident Al Gore spricht von systematischem Verfassungsbruch durch die Regierung.
Aber die groessten konkreten Probleme hat mit dem umstrittenen Programm nach Informationen der New York Times das FBI. Denn nach den Anschlaegen des 11.September wurde die Bundespolizie mit tausenden Abhoerprotokollen und Adressen richtiggehend ueberschwemmt. Hunderte Beamte mussten abgestellt werden, um einer grossen Menge von angeblich verdaechtigen Informationen nachzugehen, die sich aber allesamt als harmlos herausgestellt haben, schreibt die New York Times. Nicht ein einziger Al Kaida Kontakt sei durch das aufwendige Programm enttarnt worden, berichten FBI-Mitarbeiter dem angesehenen Blatt. Ueber die Flut von belanglosen Gespraechen, die von den High Tech Einrichtungen der National Security Agency aufgezeichnet wurden, weil dabei als verdaechtig geltende Stichworte vorkamen, mache man sich im FBI richtig lustig, das seien Bestellanrufe bei Pizza Hut.
Erst nach Protesten des FBI-Direktors, der seine Beamten fuer sinnvollere Taetigkeiten einsetzen wollte, begannen die Abhoerspezialisten des Geheimdienstes ihre Kuenste etwas gezielter anzuwenden.
Regierungsvertreter bestreiten diese Darstellung und versichern, das Abhoerprogramm habe sich als wichtiger Teil bei der Terrorbekaempfung erwiesen.

 

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