Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Verbundchef Anzengruber kritisiert Energieautarkie, AJ, 1.6.2011



Österreich soll bis 2050 ein energieautarkes Land werden. Das hat
die Bundesregierung bei ihrer Klausur auf dem Semmering
beschlossen. Autarkie bedeutet, dass Österreich seinen Bedarf an
Strom aus eigener Kraft deckt, also keinen Strom importiert. Ein
Ziel, das laut Umfragen von einer überwiegenden Mehrheit der
Bevölkerung unterstützt wird. Deutlicher Widerspruch kommt jedoch
von Wolfgang Anzengruber, dem Chef des größten Stromerzeugers in
Österreich, dem Verbund. In Brüssel warnt Anzengruber vor einer
Isolation der - des nationalen Strommarktes in Europa.
Ein Land, das sich abschotten will, kommt leicht auf die
Verliererstraße, warnt in Brüssel Verbund-Chef Anzengruber,
angesichts der von der österreichischen Regierung jetzt ganz
offiziell angestrebten Energieautarkie.
Anzengruber Wolfgang (Verbund)
Autarkie würde ja heißen, alle Warenströme, die also mit Energie
zusammenhängen, über - die grenzüberschreitend sind, zu kappen.
Das heißt also, konsequenterweise müsste man dann alle
Verbindungen ins Ausland abschneiden, sodass wir nur mehr
Inselbetrieb haben. Die Konsequenz wäre - und die haben wir ja in
der Monopolzeit schon gesehen - heißt einfach höhere
Energiepreise. Das heißt, es müssten ja Überkapazitäten geschaffen
werden, um diese Autarkie auch wirklich sicherzustellen.
Löw Raimund (ORF)
Vor allem die Konsumenten würden bei einem national isolierten
Strommarkt in Österreich draufzahlen, so Anzengruber. Österreich
könnte seine Rolle als fixer und erfolgreicher Teil des
europäischen Stromsystems verlieren.
Anzengruber Wolfgang (Verbund)
Ich glaube, Österreich würde dann energiepolitisch ignoriert
werden.
Löw Raimund (ORF)
Statt eine unrealistische Isolation vom europäischen Strommarkt
anzustreben, plädiert der Verbund-Chef dafür, dass sich Österreich
mit seiner Wasserkraft als "grüne Batterie für Europa" in die mit
dem deutschen Atomausstieg eingeleiteten Veränderungen einbringt.
Anzengruber Wolfgang (Verbund)
Ich glaube, das Bild in der Energieversorgung sollte so sein,
dass wir hier, wo die Windangebote, die Sonnenangebote sind, dort
wirklich auch erneuerbare Anlagen haben, und Österreich und die
Alpen als grüne Batterie für Europa auch nutzen. Weil hier haben
wir die Fähigkeit, wirklich einen überproportionalen Beitrag zur
Erneuerung, zur Ökologisierung des Energiesystems beizutragen.
Löw Raimund (ORF)
Als unmittelbare Folge des Atomausstiegs in Deutschland erwartet
Anzengruber etwas höhere Strompreise überall in Europa, auch in
Österreich.

 

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