Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Visafreiheit für Serben möglich, MoJ, 19.1.2008

Am morgigen Sonntag findet in Serbien der erste Durchgang von mit Spannung erwarteten Präsidentschaftswahlen statt. Hintergrund ist der Streit um die Zukunft des Kosovo, dessen Unabhängigkeit von Serbien mit Unterstützung Russlands entschieden abgelehnt wird. Die Europäische Union setzt in inzwischen Gesten, die dem proeuropäischen Amtinhaber Boris Tadic in Belgrad helfen sollen.
Wie groß die Gefahr eines neuerlichen Blutvergießens auf dem Balkan tatsächlich sein wird, wenn Pristina irgendwann in den nächsten Monaten die einseitige Unabhängigkeit des Kosovo ausruft, kann niemand genau sagen. Aber von ganz entscheidender Bedeutung wird es sein, wer dann in Serbien, das ein selbständiges Kosovo entschieden ablehnt, das Sagen hat. Die Balkanexperten in Brüssel zerbrechen sich daher seit Wochen den Kopf, was getan werden kann, um einen Sieg des ultranationalistischen Kandidaten Tomislav Nicolic bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen zu verhindern. Nicolic, so fürchtet man, würde die Brücken zur Europäischen Union abbrechen und auf prorussischen Kurs gehen.
Der Abschluss eines Assoziierungsabkommens mit der EU, möglichst vor dem entscheidenden zweiten Wahlgang am 3. Februar, könnte eine solche Maßnahme sein. Wahrscheinlich ist die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten sogar dafür. Wäre da nicht das Problem, dass die wichtigsten Kriegsverbrecher des vergangenen Jugoslawienkrieges Mladic und Karadzic noch immer nicht an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert sind. Brüssel hat die gute Zusammenarbeit mit dem Tribunal immer als Bedingung für den Weg Serbiens in Richtung EU-Mitgliedschaft bezeichnet. Vor allem in Niederlande und Belgien wollen nach wie vor an dieser Frage keine Kompromisse eingehen, selbst das die europäische Perspektive für Serbien erschwert.
Einen symbolischen Schritt setzt die Europäische Kommission: die Visafreiheit für serbische Staatsbürger in Europa, ein ganz wichtiges Anliegen für Millionen Wähler, soll rasch auf Schiene stehen. Die offiziellen Verhandlungen beginnen in Belgrad am 30. Jänner, kaum zufällig keine fünf Tage vor dem entscheidenden letzten Durchgang der Präsidentschaftswahlen. Das politische Signal ist klar: ginge Serbien auf Konfrontationskurs zur EU, etwa nach einem Wahlsieg der gefürchteten Ultanationalisten, dann wäre es mit der erhofften Reisefreiheit bald vorbei.
Die Außenminister der sogenannten Kosovo-Kontaktgruppe in Europa, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien sowie Außenpolitikbeauftrager Solana wollen die schwierige Situation heute bei einem Abendessen in Ljubljana besprechen, zu dem Slowenien als amtierender EU-Ratspräsident geladen hat. Die Bewältigung einer drohenden neuen Kosovokrise gehört zu den vordringlichsten Aufgaben der slowenischen Ratspräsidentschaft.


 

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