| |
|
Voggenhuber-Interview, MiJ,
28.1.2009
Arnim-Ellissen Hubert (ORF)
Die Wahlen zum EU-Parlament, die werfen bereits ihre Schatten.
Gewählt wird zwar erst im Juni. Aber die Kandidaten, die werden
schon präsentiert und andere wiederum ins Schmollwinkerl gestellt,
weil eben Nicht-Kandidat. Zehn Tage lang hat der Grüne
Europa-Abgeordnete Johannes Voggenhuber nach seiner Abwahl durch
den Grünen Parteitag geschwiegen. Jetzt bietet Voggenhuber seiner
Partei eine so genannte Solidaritätskandidatur am letzten
Listenplatz an, um Zweifel über den Grünen Europa-Kurs
auszuräumen, die den Grünen Stimmen kosten könnten. Falls
Voggenhuber durch Vorzugsstimmen von ganz hinten nach vorn käme,
könnte der prononcierte Europa-Politiker dann doch wieder in das
nächste Europäische Parlament einziehen. Nach seiner Abwahl
habe
es auf jeden Fall Irritationen und Missverständnisse gegeben, die
den Grünen Europa-Wahlkampf zu belasten drohen, so sagt
Voggenhuber im Gespräch mit Raimund Löw. Raimund Löw hat
Johannes
Voggenhuber im Zug getroffen und dort das folgende Gespräch
geführt, und da hören wir Johannes Voggenhuber.
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Wir können es uns nicht leisten, diese Herausforderung auf das
Spiel zu setzen. Daher werde ich, um einen Beitrag zur Lösung
dieses Problems zu leisten, dem Erweiterten Bundesvorstand eine
Solidaritätskandidatur am letzten Platz der Liste anbieten. Ich
denke, dass diese Solidarität dann auch viele Emotionen beruhigen
kann, die da in den letzten zehn Tages aufgebrochen sind.
Löw Raimund (ORF)
Könnte das zu einem Vorzugsstimmenwahlkampf für Johannes
Voggenhuber führen?
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Ich werde keinen Vorzugsstimmenwahlkampf führen. Natürlich
besteht die Möglichkeit, in der Wählerschaft das zu tun. Darauf
habe ich keinen Einfluss.
Löw Raimund (ORF)
Aber Sie hätten nichts dagegen, wenn es einen
Vorzugsstimmenwahlkampf Voggenhuber gibt.
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Also wir haben viele Jahre für die Vorzugsstimmen gekämpft,
haben
viele Jahre gekämpft, dass die Bedingungen dafür erleichtert
und
die Instrumente dazu erweitert werden. Na selbstverständlich ist
das ein gutes Recht des eigentlichen Souveräns über
Abgeordnetensitze, nämlich den Österreicherinnen und
Österreichern, der Wählerschaft.
Löw Raimund (ORF)
Wenn es viele Vorzugsstimmen für Voggenhuber gibt, könnte
Voggenhuber wieder im nächsten Europäischen Parlament sitzen.
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Das könnte sein. Aber ich bitte einmal, die Ausgangspositionen zu
beachten. Also ich glaube nicht, dass irgendjemand in Österreich
schon einmal einen Abgeordnetensitz aus der letzten Reihe errungen
hat. Wenn es geschieht, dann wäre das, glaube ich, eine große
Ehre
wohl nicht nur für mich, sondern auch für die Grünen und
ein
gewaltiger Erfolg. Ich glaube, wo es keinen, wo ich mir keinen
Grünen vorstellen kann, der sich darüber nicht freuen könnte.
Löw Raimund (ORF)
Wo sehen Sie das Wählerpotential, das Sie helfen könnten, besser
auszuschöpfen?
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Es gibt unzählige Menschen in Österreich - Junge, Frauen, Urbane,
Gebildete, quer durch alle Schichten - die sich dagegen wehren,
dass die Großparteien Österreich an die äußerste
Peripherie dieser
Europäischen Union führen, zu einer, einer Provinz machen, die
nicht beteiligt ist an den großen Fragen der Zeit, an den
gemeinsamen Entwicklungen Europas. Das ist auch eine ganz
wesentliche kulturelle, nicht nur politische,
gesellschaftspolitische Entscheidung in Österreich um die es mir
geht, um diese Auseinandersetzung, wenn wir sie führen, kann dazu
führen, dass wir einen, einen wirklichen Wahlgewinn statt im Zuge
der Wahlniederlage des Nationalrates einen Wahlverlust zu
erleiden.
Löw Raimund (ORF)
Johannes Voggenhuber - Ihre Solidaritätskandidatur: Ist das mehr
Unterstützung oder mehr Herausforderung für die Grüne
Parteiführung?
Voggenhuber Johannes (Grüne)
Das ist, wie bei mir fast immer, beides: Herausforderung und
Unterstützung.
nach oben,
Fenster schließen
|