Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

Fenster schließen
 
  Aktuelle Analysen
   

Vor Bushs Rede zur Lage der Nation, ZiB 3, 2.2.2005

Es wird das erste Mal seit der feierlichen Angelobung sein, dass sich der Praesident mit seinen Plaenen fuer die zweite Amtszeit an die Nation wendet.
Das Weisse Haus feilt schon seit Langem an der Rede, George Bush uebt den Text seit Tagen am Teleprompter.
Im Vordergrund soll die Innenpolitik stehen. Seine Plaene fuer die Teilprivatisierung des staatlichen Sozialpensionssystems, das alle Amerikaner deckt, sind in der Oeffentlichkeit bisher skeptisch aufgenommen worden.
HARRY REID, DEMOKRAT.OPPOSITIONSFUEHRER
Der Praesident soll die Privatisierungsidee vergessen, warnt der neue Oppositionsfuehrer , es wird einfach nicht passieren.
Aber Bush kann auf klare Mehrheiten im Kongress zaehlen. Nie zuvor war er politisch so stark wie jetzt, nach der hart erkaempften Wiederwahl.
ALAN LICHTMAN, POLTIKWISSENSCHAFTLER
Alles haengt jetzt vom Irak ab, meint der Politikwissenschaftler, und wenn auch im Nahen Osten ein Friedensprozess einsetzt, dann werden sich viele Probleme loesen.
Aber auch nach den irakischen Wahlen, auf die man in Washington so stolz ist, wollen die USA kein fixes Abzugsdatum fuer ihre Truppen nennen, daran wird der Praesident wohl auch heute festhalten.
JOHN MCCAIN, REPUBLIKANISCHER SENATOR
Zeitplan gibt es keinen, aber nach diesem Erfolg der Wahlen koennen die USA verstaerkt darangehen irakische Truppen auszubilden, damit die die Aufgaben amerikanischer Soldaten uebernehmen.
Aber eine zweite Amtszeit birgt auch immer Risiken, das weiss jeder Praesident.
In der zweiten Amtszeit stolperte Vorgaenger Bill Clinton ueber die Sex Affaire mit Monica Lewinsky.
Ronald Reagans Praesidentschaft wurde durch die illegale Finanzierung der Contras in Nikaragua erschuettert.
Richard Nixon musste nach der Watergate Affaire zuruecktreten.
ALAN LICHTBLAU, POLITIKWISSENSCHAFTLER
Ein richtiggehender Fluch scheint manchmal ueber der zweiten Amtszeit zu liegen.
Aber George Bush will heute vor allem eine optimistische Botschaft ueberbringen, heisst es im Weissen Haus. Die mit dem Antiterrorkrieg verbundenen Aengste sind kleiner geworden in der amerikanischen Politik.
Wie der Praesident in Umfragen dasteht nach den Wahlen im Irak?
Keine Frage, dass die Wahlen im Irak verhaeltnismaessig gut abgelaufen sind, das bringt ihm auch innenpolitisch Punkte.
Neue Umfragen gibt es noch keine, aber auch die liberalen Medien, die dem Praesidenten ja sehr kritisch gegenueberstehen, geben zu: das war ein Erfolg im Irak und dahinter ist auch so etwas wie eine Strategie zu erkennen.
Das in ja die Hauptkritik gewesen: dass die Oeffentlichkeit den Eindruck gehabt hat die Administration graebt sich immer tiefer ein in einer in Wirklichkeit aussichtslosen Situation,
in einem Krieg, der eigentlich nicht zu gewinnen ist.
Diese Stimmung ist jetzt einem vorsichtigen Optimismus gewichen,
jetzt ist es eher so, dass Regierung betont, wie gross noch die Schwierigkeiten sind im Irak.
Aber der innenpolitische Druck wegen der Situation im Irak ist doch deutlich zurueckgegangen.
Bisher waren bei solchen Reden immer kaempferische Toene zu hoeren, ist jetzt Gemaessigteres zu erwarten?
Eigentlich erwartet man im aussenpolitischen Teil eher diplomatische Toene.
Das grosse Ziel der Verbreitung der Demokratie in der ganzen Welt hat ja die Inauguraladresse beherrscht, da haben Manche gefragt, ob das die Ankuendigung von neuen militaerischen Abenteuern sein koennte?
Im Weissen Haus sagt man nein, da sind politische Mittel gemeint und man ist sehr bemueht in zweiten Amtszeit die Beziehungen zu den Europaeern zu verbessern.
Im Weissen Haus sagt man, die Chance dazu ist da, eben weil die Situation im Irak nicht mehr so extrem duester ist und weil sich auch im Nahen Osten etwas bewegt.
Condoleeza Rice, die neue Ausseniministerin,kommt naechste Woche nach Europa,
zwei Wochen spaeter der Praesident selbst.
Die Frage ist natuerlich: geht es Praesident Bush nur darum seine Positionen besser zu vermitteln, oder ist er auch inhaltlich bereit den Europaern entgegenzukommen.
Etwa beim Klimaschutz oder in der Politik gegenueber dem Iran.
Vielleicht gibt es Andeutungen in der Rede heute Abend,
aber wahrscheinlich wird man die Europareise selbst abwarten muessen, um Antwort auf diese Fragen zu bekommen.


 

nach oben, Fenster schließen

 
  site by Adrian Rossmann