Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Vor EU-Russlandgipfel in Sibirien, MoJ, 26.6.2008



Die russische Führung hat demonstrativ die reichste Ölregion des
Landes im fernen Sibirien als Gipfelort ausgesucht. Ein deutliches
Zeichen für das dank steigender Rohstoffpreise wachsende
Selbstbewusstsein des Landes. Die Einnahmen aus den sibirischen
Ölfeldern haben hier in den letzten Jahren einen regelrechten Boom
ausgelöst. Neue Wohnhäuser, unwirklich saubere Straßen und
protzige öffentliche Bauten zeugen vom wirtschaftlichen
Aufschwung. Direkt daneben die verfallenen Barackensiedlungen
jener, die den Anschluss nicht geschafft haben. Die ärmlichen
Wohnviertel mit ihren bunten Holzhäusern haben die Behörden
großflächig hinter einem grünen Zaun versteckt. Von diesem Teil
der sibirischen Wirklichkeit sollen die Gäste möglichst wenig
mitbekommen. Die EU-Führung kommt mit dem Verhandlungsauftrag für
ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland nach Sibirien. Die
Europäer wollen größere Sicherheit bei den Öl- und Gaslieferungen.
Von hier aus kommt die Wärme in die Wohnungen Europas und das
Licht in die Glühbirnen, betont auch stolz der Gouverneur. Seine
Region sieht er als das russische Abu Dhabi inmitten der
Taigasümpfe Sibiriens. Aber beim Verhältnis der Europäer zum
mächtigen östlichen Nachbarn geht es nie nur ums Geschäft.
Wladimir Putin hat nach dem chaotischen Ende der Sowjetunion ein
stabiles aber gleichzeitig auch autoritäres Regime errichtet. Die
demokratischen Versprechen seines Partners Medwedew, dem neuen
Präsidenten, haben vor allem in Osteuropa die Angst vor einem neu
erstarkten Russland nicht schwinden lassen. Georgien ist zurzeit
der gefährlichste Konflikt. Ob Dimitrij Medwedew eine
EU-Vermittlung zwischen Georgien und den mit Russland verbündeten
nationalen Minderheiten der Abchasen und der Südosseten
akzeptiert, wird eine der interessantesten Fragen auf dem Gipfel
sein.

 

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