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WTO-Verhandlungen beginnen
in Genf, AJ, 21.7.2008
:
In Genf hat eine mit Spannung erwartete Verhandlungsrunde zur Senkung
weltweiter Handelshindernisse begonnen. Während Europäer und
Amerikaner besseren Zugang für industrielle Produkte in den aufsteigenden
Ländern Asiens und Lateinamerikas verlangen, drängen Dritt-Weltstaaten
mit landwirtschaftlichen Waren auf die Märkte der entwickelten Welt.
Die EU ließ hat am ersten Verhandlungstag in Genf mit einem neuen
Angebot aufhorchen.
In der Verhandlungstaktik bei der Welthandelsorganisation spielt stets
auch Show eine große Rolle. Und Peter Mandelson, der EU-Handelskommissar,
hat gleich am ersten Tag ein spektakulär klingendes Angebot gemacht:
um bis zu 60 Prozent würden die Europäer ihrer Agrarzölle
senken, wenn, ja wenn es zu einer globalen Zollsenkung käme. Vorausgesetzt
die USA ziehen mit und Schwellenländer wie China senken ihrerseits
die Tarife für Güter und Dienstleistungen. Bisher belief sich
das beste europäische Angebot zur Senkung der Agrartarife auf minus
54 Prozent.
Die ärmsten Länder sind von der geplanten Reduzierungt der weltweiten
Handelshindernisse ausgenommen. Wenn es mehr Freihandel gibt in der Welt
und sich die Volkswirtschaften weniger voneinander abschotten, dann belebt
das die Wirtschaft und hilft Entwicklungsländern ebenso wie den Reichen,
so lautet die gängige Theorie. Angesichts der dunklen Wolken über
der Konjunktur könnte die Weltwirtschaft ein paar gute Nachrichten
tatsächlich dringend brauchen.
Die lateinamerikanischen und asiatischen Gegenspieler der EU reagierten
bisher zurückhaltend auf den Vorstoß des europäischen
Verhandlungsführers. Man müsse einmal nachrechnen, ob da nicht
einfach ein uraltes Angebot kreativ neu berechnet worden sei, hieß
es skeptisch.
Die internationale Hilfsorganisation Oxfam fordert die USA und die EU
zu Verhandlungsbeginn zu einseitigen Zollsenkungen im Agrarbereich auf,
nur so sei ärmeren Entwicklungsländern wirklich zu helfen. Dagegen
wehren sich die starken Agrarlobbies. China, Indien oder Brasilien sieht
man in Brüssel oder Washington als Konkurrenten, mit denen es einen
harten Interessenausgleich geben muss und nicht als Entwicklungsländer,
die Entgegenkommen brauchen.
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