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Washington-Brüssel, ZiB
24, 20.8.2007
MODERATION
Das aus der Europäischen Union einmal die Vereinigten Staaten von
Europa werden könnten, nach dem Vorbild der USA, davon träumten
vielleicht die Gründungsväter, heute ist diese Vision in weite
Ferne gerückt. Unser Korrespondent Raimund Löw, der viele Jahre
aus Washington berichtet hat und diesen Monat einen neuen Job in Brüssel
antritt, macht beim Vergleich zwischen den beiden politischen Zentren
diesseits und jenseits des Atlantiks sowohl Unterschiede als auch erstaunliche
Ähnlichkeiten aus.
BEITRAG
Wenn die Börsen verrückt spielen, wie in diesen Tagen, dann
sind Europa und Amerika in gleicher Weise gefordert. Gemeinsam haben beide
Zentralbanken gigantische Beträge auf gewendet um die Finanzmärkte
zu beruhigen.
Aber politisch erscheint Washington, der
symbolträchtige Sitz der mächtigsten Regierung der Erde, so
ziemlich das Gegenteil der EU Zentrale samt Verwaltung in Brüssel.
Als langjähriger Amerika-Korrespondent sucht man aber auch nach Parallelen
zwischen den so unterschiedlichen Systemen.
Auf ihre Hauptstadt schimpfen die Amerikaner gerne als bürokratisches
Monster. Vor dem Weißen Haus drängen sich trotzdem die Touristen.
Nicht selten gemeinsam mit Demonstranten. Fast täglich gibt es Protestkundgebungen
vor dem Amtssitz des Präsidenten.
Überraschend ähnlich die Szenen vor dem EU-Ratsgebäude
in Brüssel. Selbst an einem ruhigen Tag im August, belegen Demonstranten
den politischen Pluralismus des Kontinentes.
Auch der belgische Tourismus hat ganz offensichtlich das europäische
Viertel entdeckt.
Chris kommt aus New York, wir wollten uns die EU-Gebäude ansehen,
in unserem Führer steht, das ist interessant.
Für den Reporter ist das tägliche Pressebriefing der EU-Kommission
der Fixpunkt des Tages. Als Sprecher fungieren kundige europäische
Beamte. Die Übersetzung in mehr als 20 Sprachen signalisiert: hier
wächst eine Vielvölkergemeinschaft, die noch zusammenfinden
muss.
Genauso wichtig in Washington: die tägliche Pressekonferenz im viel
intimeren Rahmen des Briefing Rooms im Weißen Haus, mit täglichen
harten Bandagen zwischen Reportern und Regierung.
HELEN THOMAS, WHITE HOUSE KORRESPONDENTIN
Der Präsidentensprecher vertritt die Parteilinie, wir Reporter verlangen,
dass er die Wahrheit sagt.
Denkmäler in Washington markieren Einschnitte der amerikanischen
Geschichte.
Sehenswürdigkeiten, die Brüssel bietet, sind europäische
aber vor allem doch auch belgische Symbole.
Die Vielfalt Europas zusammenzuführen wird in der EU aus amerikanischem
Blickwinkel nur mit höchst beschränkten Mitteln betrieben. Die
vielkritisierte EU-Bürokratie würde in Washington gerade einmal
die Unterabteilung eines Ministeriums ausmachen.
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