Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Wolfowitz Weltbankpraesident, MoJ, 31.3.2005

Um die Einstimmigkeit zu erreichen, mit der Paul Wolfowitz gestern zum neuen Weltbankpraesidenten gewaehlt wurde, hatte es so mancher diplomatischer Manoever hinter den Kulissen bedurft. Sogar zu einem Blitzbesuch in Bruessel sah sich der umstrittene stellvertretende Verteidigungsminister veranlasst, um nur ja alle Zweifel der Europaer auszuraeumen. Aber im Endeffekt wurden die Vorbehalten gegen einen der neokonservativen Architekten des Irakkrieges nur hinter vorgehaltener Hand geaeussert. Die Europaer wollten das neu gefundene Einverstaendnis mit der Regierung Bush einfach nicht aufs Spiel setzen.
Wolfowitz selbst ist in den letzten Tagen nicht muede geworden, sein Bekenntnis zur Weltbank und ihrer allerwichtigsten Mission, der Bekaempfung der Armut in der Welt zu wiederholen. Es wird gelten die Balance zwischen Krediten und Beihilfen neu zu ueberdenken, liess er in einer ersten Erklaerung wissen. Auch die Barrieren fuer landwirtschaftliche Produkte aus Entwicklungslaendern in Europa und den USA will er zum Thema machen.
Mit einem Kreditvolumen von 20 Milliarden Dollar versteht sich die Weltbank als wichtigste Entwicklungshilfeorganisation der Erde. Mit ihrer Hilfe werden Schulen, Strassen und Spitaeler gebaut. Aber die Projektvergabe war immer auch an wirtschaftspolitische Vorgaben gebunden. Kritiker sehen die Weltbank daher vor allem als Instrument zur Durchsetzung einer von den USA ausgehenden Politik der Privatisierung. Dass Paul Wolfowitz die einflussreiche Institution zu einem Instrument der aussenpolitischen Visionen George Bushs von der weltweiten Ausweitung der Demokratie machen will, bestreitet der neugewaehlte Direktor. Aber der amerikanische Praesident hat mit der Entscheidung fuer seinen scharfzuengigen stellvertretenden Verteidigungsminister gezeigt, dass er entschlossen ist, auch internationalen Organisationen seinen Stempel aufzudruecken.

 

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