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Zukunftserwartungen der Europäer,
MoJ, 2.7.2008
Die Europäer sind was
ihre Zukunft betrifft, mehrheitlich pessimistisch. Das ergibt eine Umfrage,
die heute in Brüssel veröffentlicht wird. Nur in den neuen Mitgliedsstaaten
überwiegt die Hoffnung, dass sich das Leben in den nächsten
zwanzig Jahren verbessern wird. Die Österreicher rangieren in diesem
Stimmungsbarometer fast immer am unteren Ende, berichtet Raimund Löw.
25 000 Bürger in allen 27 Mitgliedsstaaten der Europäische Union
haben die Meinungsforscher befragt, was sie denn von den nächsten
20 Jahre erwarten. Und knapp die Hälfte der Befragten glaubt europaweit,
dass das Leben schlechter wird. Wobei frappierende Unterschiede zwischen
neuen und alten Mitgliedsstaaten bestehen. Fast 60 Prozent erwarten im
optimistischen Osten Verbesserungen, nur ein knappes Drittel sind es im
pessimistischen Westen.
Zu den Bürgern mit den negativsten Erwartungen in so gut wie allen
Lebensbereichen gehören die Österreicher. 56 Prozent der Österreicher
glauben, dass in zwanzig Jahren alles schlechter sein wird, nur in Deutschland
und Belgien gibt es mehr Pessimisten. Die optimistischsten Europäer
sind nach dieser Umfrage die Esten, hart gefolgt von den Iren, deren Zukunftsglaube
beim letzten EU-Referendum offensichtlich keinen Niederschlag gefunden
hat.
Österreich befindet sich in diesem umfassenden Stimmungsbarometer
immer wieder unter den Schlusslichtern. In keinem anderen EU-Land glauben
so Wenige wie in der Alpenrepublik, dass die Arbeitsbedingungen sich verbessern
werden in den nächsten 20 Jahren. Selbst wenn die Frage lautet, ob
nicht zumindest die Chancen für Frauen am Arbeitsmarkt in 20 Jahren
besser sein werden als heute, ist nur das Nachbarland Ungarn noch pessimistischer.
Nur auf eine Frage antworten die Österreicher in überwältigender
Mehrheit mit Ja: der Unterschied zwischen reich und arm wird ihrer Meinung
nach immer grösser werden. Nur Deutschland sieht die zu erwartende
soziale Schere in noch düstereren Farben. Mehr Chancen für soziale
Gerechtigkeit sehen in Europa dagegen Spanier, Litauer und Esten.
Ganz pessimistisch schätzen die Österreicher auch die Chancen
des technischen Fortschritts ein: dass bessere Technologien die Lebensqualität
steigern, bezweifeln fast 60 Prozent der Österreicher. Nur Griechen
und Slowenen sind ähnliche Technikmuffeln.
Der grantelnde Grundstimmung der Österreich bezieht sich auch auf
die Politik: an neue Wege der politischen Mitbestimmung glauben die Österreicher
nicht, ganz ähnlich wie übrigens die ebenfalls skeptischen Deutschen.
Mehr an die Erneuerungsfähigkeit der Politik glauben in Europa die
Finnen im hohen Norden und wiederum die Iren.
Eine große Mehrheit aller Europäer wünscht sich laut dieser
neuen Umfrage ein größeres Gewicht für den Umweltschutz.
Fast ein europäischer Konsens ist es, dass die wachsenden sozialen
Gegensätze reduziert werden sollten. Portugiesen und Griechen sind
die engagiertesten Befürworter sozialer Umverteilung, Österreich
liegt im Mittelfeld.
Wie in der Gesellschaft die gewünschte soziale Solidarität erreicht
werden soll, das bleibt jedoch offen: in den meisten EU-Staaten lehnen
die Bürger mehrheitlich höhere Steuern ab. Eine gewisse Ausnahme
ist hier Deutschland: eine stärkere Besteuerung von kinderlosen Bürgern
können sich die meisten Deutschen und auch recht viele Österreicher
vorstellen.
Immerhin in einer Frage gibt es klare Mehrheiten: nach einem Europa, das
weniger abhängig ist vom Rest der Welt sehnen sich die Menschen in
allen 27 Mitgliedstaaten. Aber abschotten wird sich der alte Kontinent
wohl auch in zwanzig Jahren nur sehr schwer von den Trends einer immer
stärkerer zusammenwachsenden Welt können.
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