Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Zwei Jahre Finanzkrise, ZiB 1, 15.9.2010


Zimmermann Marie-Claire (ORF)
Raimund Löw in Brüssel, in Europa sind - wir haben es auch vorhin
schon erwähnt - strengere Regeln für die Finanzmärkte jedenfalls
in Arbeit. Was hat sich denn konkret seit der Lehman-Pleite
geändert?
Löw Raimund (ORF)
Man hat gesehen, dass sich in Europa viel stärker ein Comeback
des Staates abgespielt hat. In so gut wie allen politischen Lagern
- egal, ob mehr links stehend oder mehr rechts stehend - ist man
einig, dass es stärkere staatliche Regeln für die Finanzwelt geben
muss, dass die Marktwirtschaft allein nicht ausreicht für
Bankenaktienfonds, Hedgefonds. Die Diskussion geht nicht darum, ob
da mehr Regulierung nötig ist, sondern wie stark die sein soll und
von wem die kommen soll. Ob das mehr auf der europäischen Ebene
passieren soll oder mehr auf der Ebene der Nationalstaaten. Und
nach langen Diskussionen wird es jetzt ab Anfang nächsten Jahres
eine gemeinsame europäische Finanzmarktaufsicht geben, um die
Banken und die Finanzwelt besser an die Kandare zu nehmen, eine
direkte Folge der Lehman-Pleite vor zwei Jahren.
Zimmermann Marie-Claire (ORF)
Die Finanzkrise hat auch eine Wirtschaftskrise nach sich gezogen.
Wie gut hat Europa denn diese Krisen verwunden?
Löw Raimund (ORF)
Die Europäer haben ja nach dem Bankenkrach auch noch die
Eurokrise zu meistern gehabt und das ist gelungen. Der Euro ist
stabilisiert, keine Frage, letztendlich hat sich die Einsicht
durchgesetzt, dass es ein gemeinsames Interesse gibt, sich
gegenseitig zu unterstützen. Aber: Es gibt eine wachsende Kluft in
Europa zwischen wirtschaftlich erfolgreichen Staaten -
Deutschland, Österreich, auch Polen, ein neues Mitgliedsland der
EU, gehören dazu - und schwächeren Staaten. Da ist die Gefahr
einer Auseinanderentwicklung in Europa, die wiederum schwere
finanziellen Folgen, Folgen für die Finanzwelt hätte.

 

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