Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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Zwischenbilanz EU-Kaukasusvermittlung, MoJ, 16.9.2008

Die Experten der EU-Sicherheitspolitik in Brüssel kommen aus dem Staunen nicht heraus. So rasch, wie bei der Georgienmission, haben die Mitgliedsstaaten noch nie Personal, technische Ausrüstung und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Mit Schrecken erinnert man sich noch an die Anfänge der Tschadmission, die Monatelang durch fehlende Helikopter blockiert war. Diesmal haben offensichtlich alle die Dringlichkeit verstanden. Hat die russische Führung doch sehr deutlich gemacht, dass ohne europäische Beobachter ein Abzug der russischen Truppen aus den Pufferzonen um Abchasien und Südossetien ausgeschlossen ist. Eine Normalisierung der heiklen russisch-europäischen Beziehungen wäre auf lange Zeit unmöglich gewesen.
Das Krisenmanagement der EU in der Kaukasuskrise hat bisher funktioniert. Schließlich schweigen die Waffen und mit der Mitte Oktober geplanten Genfer Kaukasuskonferenz ist sogar auch mittelfristig ein Weg zur diplomatischen Konfliktlösung vorgezeichnet. Selbst wenn Südossetien und Abchasien vorläufig russisch bleiben, könnte das zu einer Situation wie in Zypern nach der türkischen Invasion vor 35 Jahren führen. Eine de facto Grenze, die international nicht anerkannt wird, aber keine neue Gewalt. Die Beobachtermission, die den schönen Namen EUMM für EU Monitoring Mission erhalten hat, ist ein Kernstück dieses Plans.
Die treibende Kraft hinter diesem Engagement, war allerdings kein EU-Gremium und auch nicht der Hohe Repräsentant für die Aussenpolitik, sondern Frankreich und insbesondere der draufgängerische Nicolas Sarkozy. Man sagt es in Brüssel hinter vorgehaltener Hand: nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ein kleineres Mitgliedsland ohne die beträchtlichen Mitteln der Pariser Regierung und die Entscheidungsfreude Sarkozys im Augenblick des Georgienkrieges die Präsidentschaft der EU innegehabt hätte. Wie Vladimir Putin auf eine EU-Delegation aus Prag, Ljubljana oder Stockholm reagiert hätte, will man sich lieber gar nicht ausmalen. Hatte man in Moskau doch sogar den EU-Spitzenpolitikern Barroso und Solana, die bei Sarkozy im Präsidentschaftsflugzeug saßen, bedeutet, dass eigentlich sie gar nicht eingeladen wären. Im Dezember geht Frankreichs Präsidentschaft zu Ende, danach führt Tschechien die EU. Wie es weitergehen wird mit der schwierigen Vermittlungsmission, wenn kein hyperaktiver französischer Präsident mehr Krisenfeuerwehr spielen kann, das ist eine der Sorgen der Außenpolitikexperten der EU.
Die Kaukasuspolitik der EU demonstriert zweifelsohne das große Potential eines geschlossenen Auftretens der Europäer. Aber noch immer fehlt es an den Instrumenten für EU-Diplomatie mit Durchschlagskraft. Ein diplomatischer Dienst und vor allem ausreichende Kompetenz auf der Ebene der Gemeinschaft auch außenpolitische Entscheidungen zu treffen. Nur zum Teil würde der Vertrag von Lissabon, der ja durch das Nein der Iren blockiert ist, diese Probleme lösen. Immerhin einen stärkeren Außenminister könnte es dann geben. Aber zum Beispiel bleiben die finanziellen Mittel für die EU-Außenpolitik extrem beschränkt. Die Gehälter der Georgien-Beobachter zahlen die entsendenden Mitgliedstaaten. Die Forderung, dass gemeinsam beschlossene Aktionen doch eigentlich auch solidarisch von allen finanziert werden müssten, fand bisher keine Mehrheit bei den Regierungen.

 

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