Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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G8-Gifpel Evian, ZiB 1, 1.6.2003


Nur einen Tag nach dem großen Fest in St.Ptersburg hat heute in Evian am Genfersee der G9-Gipfel der Staats und Regierungschefs der großen Industrienationen begonnen. Gastgeber Jacques Chirac will die Schulden der Dritten Welt und die Situation der Weltwirtschaft zum großen Thema machen. Daher hat Frankreich auch führende Politiker aus den Entwicklungsländern geladen:
Es ist der idyllische Rahmen des Genfersees, der mit dem Pomp der höchsten Weltpolitik jene Mächte wieder zusammenführen soll, die der Irakkrieg so nachhaltig getrennt hat.
Zum Gipfel der Reichen hat Jacques Chirac seinem multilaterialen Weltbild entsprechend auch den armen Süden geladen:
Lula Der neue Präsident Brasiliens, der als Kind Schuhputzer war, will den Krieg gegen den Hunger zum zentralen Thema machen.
George Bush kommt direkt aus St.Petersburg ins wenig geliebte Frankreich. Seinen Aufenthalt hier hält er so kurz wie möglich. Etwas steif der obligate Händedruck mit dem Gastgeber. Der Kampf gegen den Terrorismus ist auch hier sein großes Thema.
Bush wünscht sich gemeinsamen Druck auf die Regierung im Iran, der die USA ein verbotenes Atomprogramm vorwerfen.
Ein Weltdirektorium mit echter Entscheidungskraft ist dieses Gremium nicht.
Ein neuer Anlauf der Zusammenarbeit scheint allerdings möglich, vor allem die Weltwirtschaft wartet auf diese gute Nachricht.
Der amerikanische Präsident scheint auf jeden Fall einen Draht zum Kronprinzen von Saudi Arabien gefunden zu haben, der so gebrechlich wirkt wie viele Regierungen in seiner Region.
Die Schatten der unmittelbaren Vergangenheit sind da, das ist keine Frage. Das erkennt man schon daran, dass der amerikanische Präsident alles getan hat um seinen Aufenthalt hier in Frankreich so kurz wie nur möglich zu halten. Gleichzeitig muss sich George Bush, ebenso wie Tony Blair, gerade jetzt gegen den schweren Vorwurf zur Wehr setzen, dass man die Welt mit der Begründung für den Irakkrieg getäuscht habe. Weil die Beweise für irakische Massenvernichtungswaffen ja bis heute fehlen.
Also das Thema Irakkrieg ist damit hinter den Kulissen nach wie vor präsent. Was trotzdem gelingen könnte, das ist ein gemeinsames Vorgehen bei globalen wirtschaftlichen Fragen. Europäer und Japaner wollen wissen, ob die Amerikaner gedenken, etwas gegen den fallenden Dollar zu unternehmen, der ja ihre Exporte bedroht. George Bush hat viel Geld für die Bekämpfung von AIDS in Afrika locker gemacht, er möchte, dass sich die Europäer anschließen. Und die Staaten der Dritten Welt erinnern an frühere Versprechen ihre Schuldenlast zu mindern. Wenn in einigen dieser Bereiche hier in Evian gemeinsame Initiativen herauskämen, dann wäre das das Zeichen, dass die großen Mächte trotz der Irak-Differenzen nicht grundsätzlich gegeneinander arbeiten.


 

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