| |
|
Gespannte
Gipfeltage, ZiB 1, 30.05.2003
Freundliche Gesten, das wäre
schon etwas, ob es dazu aber sehr oft
kommen wird zumindest von amerikanischer Seite, das ist ziemlich fraglich.
Denn die amerikanische Diplomatie ist nachtragend geworden. Die Botschaft
des Präsidenten lautet: das siegreiche Amerika ist zwar zur
Zusammenarbeit mit Allen bereit. Aber vergessen wird man nicht so bald,
wer
sich dem amerikanischen Irakkurs entgegen gestellt hat.
Genau das vermittelt Bush auch mit vielen kleinen Signalen während
seiner
ganzen Reise. Die erste Station ist nicht zufällig Krakau, für
das
amerikafreundliche Polen nimmt er sich viel Zeit. Das positivste, was
dem
Präsidenten zu Deutschlands Kanzler Schröder dagegen einfällt,
ist die
spöttische Bemerkung, man werde schon nicht handgreiflich werden.
Dabei sind die Probleme, vor der die Welt steht, nicht von einer Macht
allein zu lösen, und sei sie auch die stärkste Supermacht. Die
Wirtschaft
stockt überall, in Japan genauso wie in Europa und in den USA. Wenn
es kein
koordiniertes Vorgehen der großen Industrienationen gibt, dann drohen
Handelsbarrieren. Und ein Wirtschaftskrieg Europa- Amerika nach den
politischen Spannungen könnte die Lage noch verschlimmern.
Das Problem der Europäer ebenso wie der Russen ist, dass sie es mit
Partnern in Washington zu tun haben, die nicht gewohnt sind nachzugeben,
gleichzeitig aber selbst zu schwach sind, eigene Ideen durchzusetzen.
Ein geradezu klassisches Beispiel erleben wir im Nahen Osten. Diese Road
Map, die jetzt nach Jahren wieder Hoffnung aufkommen läßt,
ist von den
Amerikanern gemeinsam mit Europäern und Russen ausgearbeitet worden.
Aber
wenn Ariel Sharon jetzt erstmals von israelischer Besatzung in der Westbank
spricht, die er bisher vor allem kolonisieren wollte, dann auf
amerikanischen Druck und nicht wegen der Europäer. Und wenn sogar
radikale
Palästinenser laut über einen Waffenstillstand mit Israel nachdenken,
dann
hat das wahrscheinlich auch hauptsächlich mit der bedrohlichen
amerikanischen Streitmacht in der unmittelbaren Nachbarschaft zu tun.
Zu einem zufriedenstellenden neuen Mechanismus der internationalen
Zusammenarbeit ist es nach dem Wendepunkt des Irakkrieges noch ein weiter
Weg.
nach oben,
Fenster schließen
|