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Saddam Hussein
gefangen genommen, Live-Gespräch, ZiB 2, 14.12.2003
Nach außen will die
Bush-Administration nach diesem Coup nicht triumphalistisch erscheinen,
das war beim heutigen Fernsehauftritt des
Präsidenten ganz deutlich. Aber politisch ist die Symbolbedeutung
dieses
Ereignisses sehr, sehr groß. Man darf nicht vergessen: dieser Mann,
den man da nach den Angaben des amerikanischen Militärs gestern in
einem Erdloch gefangen hat, ist von der amerikanischen Regierung jahrelang
als die Verkörperung des Bösen in der Welt schlechthin dargestellt
werden. Terrorismus hat man Saddam Hussein vorgeworfen und die furchtbaren
Menschenrechtsverletzungen seines Regimes, Massenvernichtungswaffen, die
wahrscheinlich länger als er sie wirklich gehabt hat. Man hat aus
dieser Person eine Bedrohung für den Weltfrieden gemacht. Und tatsächlich
war er einer der schlimmsten Tyrannen, den es seit langem gegeben hat.
Man hatte manchmal sogar den Eindruck, dass dieser Konflikt für George
W.Bush zu einer persönlichen Vendetta geworden ist. Schließlich
hat Saddam Hussein ja auch einmal einen Mordversuch gegen den Vater des
jetzigen Präsidenten, George Bush Senior, in Auftrag gegeben. Heute
kann der Präsident sagen: diese Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt.
Sicher nicht alle Ziele des Irakkrieges sind erreicht, aber doch ein sehr
wichtiges Ziel der amerikanischen Politik gegen die Achse des Bösen,
wie sie nach dem 11.September formuliert wurde.
Für die Aufständischen im Irak war Saddam Hussein sicherlich
eine
Symbolfigur, auch wenn man nicht weiß, ob er wirklich operativ diese
Anschläge geleitet hat. Aber mit Saddam Hussein-Plakaten treten diese
Leute auf, sie rufen Saddam Hussein Parolen. Wenn eine solche Symbolfigur
sich ergibt und nicht einmal kämpft, dann hat das Folgen für
die Moral.
Die Amerikaner haben jetzt wahrscheinlich eine Chance einen Wendepunkt
im Nachkriegs-Irak herbeizuführen, wenn es ihnen gelingt unter ihrem
Schutz
eine echte irakische Führung aufzubauen. Und wenn die Iraker das
Gefühl
bekommen, dass die USA es ernst meinen, wenn sie sagen sie wollen den
Irak auf den Weg der Souveränität bringen und nicht auf Dauer
Besatzungsmacht bleiben. Wie es mit Saddam Hussein weitergehen wird ist
unklar. Die irakische Übergangsregierung möchte ihn vor eine
irakisches Gericht stellen, aber ein solches gibt es noch nicht. Am besten
wäre wahrscheinlich ein internationales Gericht. Auch Slobodan Milosevic
steht ja nicht in Belgrad sondern in Den Haag vor Gericht. Aber die Amerikaner
sind gegen den neuen Gerichtshof für Kriegsverbrechen in Den Haag.
Interessant könnte ein Prozess auf jeden Fall werden. Denn Saddam
Hussein war ja nicht immer eine Feindfigur des Westens. Lange Zeit war
er ein enger Verbündeter des Westens, auch in Zeiten in denen er
schwere Menschenrechtsverletzungen begangen hat. Ein Prozess könnte
sowohl Licht in die Weltpolitik der letzten Jahrzehnte bringen als auch
dem Irak helfen mit seiner Vergangenheit zurecht zu kommen.
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