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Interview
Michel Rocard, ZiB 1, 3.7.2003
Noch sind im Europäischen Parlament in Strassburg der Schock über
den Berlusconi-Krach nicht verhallt. Dass sich Silvio Berlusconi für
seine Entgleisung nicht entschuldigen will droht das Verhältnis zwischen
Europäischem Parlament und dem unter italienischer Präsidentschaft
stehenden Rat ernsthaft zu belasten. Einer der Vertreter der Linken im
Europäischen Parlament ist Michael Rocard, langjähriger Spitzenpolitiker
der französischen Sozialisten und unter Francois Mitterand Ministerpräsident.
Michael Rocard hält sich auf Einladung des Kreisky Forums in Wien
auf und er stellt den Zwischenfall mit Berlusconi in Zusammenhang mit
dem allgemeinen politischen Klima in Europa.
"Ich war in dieser schrecklichen Sitzung in Strassburg," berichtet
Rocard. "Wir haben es mit jemandem zu tun, der seine Emotionen nicht
zügeln kann, schon das sollte ihn disqualifizieren. Berlusconi zeigt
jene menschenverachtende Trendenz zur Beschimpfung in der politischen
Auseinandersetzung, die typisch ist für die Rechtsextremen bei uns
in Europa.
Aber ist Berlusconi ein Rechtsextremist?
Rocard: Fast ist er das, er verhält sich auf jeden Fall so. Diese
Anspielung gegenüber einem deutschen Sozialdemokraten, dessen Eltern
im KZ waren, das war ein Skandal.
Sollte er sich nicht entschuldigen, dann hat das Auswirkungen: bei jeder
Sitzung des Rates wird er damit konfrontiert sein. Das Verhältnis
zwischen Europäischem Parlament und dem Rat würde belastet.
Frage: Sehen Sie längerfristige Probleme , schließlich kann
man ja einen EU-Ratspräsidenten nicht abwählen?
Rocard: Nein, eine Abberufung ist aber auch nicht nötig bei einer
Präsidentschaft, die nur 6 Monate dauert. Das größere
Problem ist, dass die Widersprüche zwischen den europäischen
Regierungen nach wie vor so stark sind, dass die EU nicht zu einem Machtfaktor
auf dem internationalen Parket werden kann. Einige Mitgliedsstaaten lehnen
das ab, und so werden die großen Entscheidungen der Außenpolitk
in der nächsten Zukunft bei den Nationalstaaten bleiben.
Frage: In der EU dominieren rechte und rechtsliberale Parteien. Warum
tut sich die Linke so schwer mit ihren Ideen durchzukommen?
Rocard: Wir sind geistig mit der Abkehr von der Planwirtschaft nicht wirklich
fertig geworden. Und: es gibt einfach bestimmte politische Trends:
die 80erJahre waren rechts, die 90erJahre links und jetzt haben wir wieder
eine rechte Phase.
Gleichzeitig ist der Kapitalismus wieder sehr instabil geworden. Seit
1990 haben wir fünf große weltweite Finanzkrisen erlebt. Und
die soziale Ungleichheit wächst dramatisch. Darauf reagiert die Wissenschaft
sensibler als die Politik. Immer öfters gehen die Wirtschaftsnobelpreise
an Kritiker der vorherrschenden monetarischen Politik. Und das ist ein
gutes Zeichen.
17,13: Aber noch fehlt eine
klare wissenschaftliche Antwort auf die Grausamkeit des monetaristischen
Kapitalismus. Immerhin beginnt sich die Wirtschaftswissenschaft in wachsendem
Ausmaß mit dem Problem auseinanderzusetzen: seit Jahren geht der
Nobelpreis für Wirtschaftswisenschaften nicht mehr an Monetaristen,
sondern Kritiker der vorherrschenden Denkrichtung. Das ist ein gutes Zeichen.
18,40
F: Ohne USA möglich Kapitalismus domestizieren?
16,20: Ohne USA?
16,27: Es geht nicht um domestizieren,
es geht um...USA viele Millionen nicht in soziale Stabilisierung, die
US-Rechte geht in Richtung Bürgerkrieg.
17,13: Die sozialen Kärfte
sind nur da, wenn Ideen klar sind. Es gibt keine einheitliche Antwort
der Wissenschaft auf die Grausamkeit des monetaristischen Kapitalismus.
Ein einfaches Beispiel: wärehnd 25 Jahren immer Monetaristen Nobelpresträger.
Seit 7-8 Jahren hat Jury des Nobelpreises hat indischen Amerikaner Amatia
Sen erwählt und seither nie wieder Monetarist, man ist auf Keynesianer
gegangen oder großen Kritiker Monetarismus, Joseph Stiglitz. In
ökonomischem Denken beginnt man theoretisch an Konezpt zu arbeiten,
das Änderung bringt.
18.30: Die Gründer des
Sozialismus waren Wissenschaftler, die Wissenschaft beginnt sich Fragen
zu nstellen, das ist ein gutes Zeiten. 18,40
x 18,46: Totale Frage: Wird
EU-Präsidentschaft etwas ändern?
18,58: Präsident wird nicht viel Ändern, weil Gleichgewicht
der drei Institutionen bleibt. Präsident sichtbarer, vielleicht wird
Qualität Arbeit ein bischen besser.
GEGENSCHÜSSE:
19,45: Längerfristige
Probleme aus Berlusconi? Sehr traurig für Italien, traurig für
EU
20,20: Jetzt rechter Wind in
Europa?
20,53: Was macht es so schwer
für Linke in Europa Antworten zu geben auf Kapitalismus? Intellektuelle
Schwäche was tun nach Abgehen von Etatismus, das schwer, weil Sozialismus
21,50: Europa Linke Kraft sich
herauszuarbeiten ohne USA? Jetzt vertiefung Ungerichtikeiten und Finanzdestabilisierung,
Jetzt Antwort auf Ideen, das kommt mit Stiglietz, die Materialen für
Alternative entstehen.
23,11: Gang
nach oben,
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