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Irakkrieg:
Probleme der Sieger, ZiB 1, 19.7.2003
Noch vor drei Monaten, da waren
George Bush und Tony Blair die strahlenden
Sieger eines kurzen und höchst erfolgreichen Feldzuges. Jetzt jedoch
droht
für Bush das Chaos im Irak der Nachkriegszeit zu einer unangenehmen
Belastung im bevorstehenden Präsidentschaftswahlkampf zu werden.
Und Tony
Blair steckt im Strudel der tiefsten Krise seines gesamten politischen
Lebens. Der militärische Sieg hat für Beide zu schweren politischen
Problemen geführt.
Dass man in Washington jetzt nach einem Ausweg sucht und überlegt
den Irak
vielleicht doch unter ein Mandat der sonst so ungeliebten Vereinten
Nationen zu stellen, das zeigt, wie schnell auch die Supermacht Amerika
an
ihre Grenzen gerät, wenn sie allein bleibt. Die jungen amerikanischen
Soldaten wollen heim zu ihren Familien, viele sind schon seit mehr als
einem Jahr im Einsatz. Die Moral ist denkbar schlecht in der US Army.
Während Bushs dringendste Sorge die Bewältigung der Gegenwart
ist, wird
Tony Blair von der Vergangenheit eingeholt. Der tragische Selbstmord des
Waffenexperten Dr. David Kelly ist für ihn eine menschliche und eine
politische Katastrophe. Egal, was bei der versprochenen unabhängigen
gerichtlichen Untersuchung herauskommt: es waren seine engsten Mitarbeiter,
die den Wissenschaftler öffentlich an den Pranger gestellt haben,
nur
weil er mit einem regierungskritischen Journalisten über Existenz
oder
Nichtexistenz von irakischen Massenvernichtungsmitteln gesprochen hat.
Nicht nur die Glaubwürdigkeit des Politikers Blair in der so entscheidenden
Frage von Krieg und Frieden steht auf dem Spiel: es geht auch um seinen
Umgang mit der kritischen Öffentlichkeit. Großbritannien ist
seinem
Premierminister nur widerwillig in den Krieg gefolgt, das macht es Tony
Blair heute schwerer als George Bush mit den Fragen nach dem Kriegsgrund
umzugehen. Von einem gemeinsamen Vorgehen mit den einstigen Gegnern des
Krieges über die UNO könnten beide profitieren.
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