Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  "Falter" - Artikel
   

Abschluss der UNO-Generalversammlung, Morgenjournal, 26.9.2003


Der Druck aus dem Mitarbeiterstab auf UNO-Generalsekretär Kofi Annan ist schon in den letzten Tagen immer stärker geworden: die in den Irak entsandten UNO-Vertreter fühlen sich allein gelassen, ohne Schutz und ohne klaren Auftrag. Den verheerende Anschlag mit Dutzenden Toten UNO-Mitarbeitern vor 5 Wochen verstanden viele als Signal: Viele Iraker machen keinen Unterschied zwischen Vereinten Nationen und Vereinigten Staaten. Mit den neuen Attentaten in den letzten Tagen war das Maß voll. Die UNO-Führung hatte keine andere Wahl als den Teilabzug ihrer Mitarbeiter zu verfügen.
Für die amerikanische Regierung ist das keine gute Nachricht: bemüht sich die Regierung Bush doch zur Zeit umgekehrt die Präsenz der Vereinten Nationen im Irak zu verstärken. Auch widerlegen abziehende UNO-Mitarbeiter die Darstellungen, wonach die Sicherheitslage in Bagdad ständig besser werde.
Das es auch die erhofften Truppen aus befreundeten islamischen Staaten offensichtlich nicht so bald geben wird erwägt das Pentagon jetzt die Einberufung neuer Reservisten: dadurch sollen die zum Teil seit Monaten im Irak stationierten Einheiten abgelöst werden, über deren schlechte Moral die amerikanischen Medien immer häufiger berichten.
Bei den Abgeordneten und Senatoren im Kongress, wo die obersten Militärs und Irak-Verwalter Bremer zu Hearings geladen wurden, steigt die Ungeduld. Die oppositionellen Demokraten prangern vor allem das wachsende Budgetdefizit an, das durch den teuren Alleingang im Irak verursacht wird. Paul Wolfowitz, der scharfzüngige Stellvertretende Verteidigungsminister warnt dagegen, jeder Hauch eines Zweifels, dass die USA entschlossen sind so lange im Irak zu bleiben, bis sie ihre Aufgabe erfüllt haben, kann nur Terroristen und die Anhänger des alten Regimes stärken.
Im Kongress werden jetzt langsam auch die bisher nicht gefundenen irakischen Massenvernichtungswaffen zu einem Thema. Eindringlich hielt Senator Ted Kennedy gestern den Regierungsvertretern den Bericht der New York Times entgegen, wonach auch die von CIA-Waffeninspektor David Kay geleiteten amerikanischen Sondereinheiten bisher keine Spuren von Atomwaffen, Giftgas oder biologischen Waffen gefunden haben. Das war der Grund, den man uns für den Krieg gegeben hat, rief Kennedy in den Saal, wo bleiben die Beweise.
Das Weiße Haus verlangt Geduld, noch liege der endgültige CIA-Bericht der amerikanischen Waffeninspektoren nicht vor. Man sei überzeugt, dass man die Spuren von Saddams Todeswaffen schließlich doch noch zu finden sein werden.

 

 

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