Raimund Löw

Historiker und Journalist

 

 

 

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  "Falter" - Artikel
   

Tea Parties gegen den Islam, 25.8.2010

"Daham statt Islam" lässt sich in vielen politischen Sprachen deklinieren. Rund um ein geplantes islamisches Kulturzentrum samt Moschee in New York ziehen die Republikaner in den USA ihre bisher lauteste antiislamische Kampagne hoch.
Das zukünftige Cordoba House mit Fitnessstudio, Kino und Theatersaal soll zwei Häuserblocks von Ground Zero entfernt errichtet werden. Auf heiligem amerikanischem Boden, wo Al-Kaida 2700 Menschen ermordet hat, sei ein neuer islamischer Gebetsraum offene Provokation, so tönt es aus den rechten Talkshows. Auch wenn die Initiatoren hoch und heilig schwören, dass sie gesetzestreue amerikanische Bürger sind. Der federführende Imam Feisal Abdul Rauf befindet sich im Auftrag des State Department auf Informationsreise im arabischen Golf.
Newt Gingrich, ehemaliger Gegenspieler Bill Clintons als Speaker im Repräsentantenhaus, vergleicht das Bauprojekt mit einer Hakenkreuzfahne neben dem Holocaust-Museum. Wenige Wochen vor den heißumkämpften Kongresswahlen setzt die konservative Opposition auf den Erfolg aufgepeitschter Emotionen.
Muslime machen in den USA kaum ein Prozent der Bevölkerung aus, viel weniger als in Frankreich, Deutschland oder Österreich. In Lower Manhattan haben sie bisher niemanden gestört. Seit neuem organisiert die diffuse, ultrarechte Tea-Party-Bewegung Proteste gegen Neubauten in Kalifornien, Tennessee und New York. Kombiniert mit Hasstiraden gegen Barack Hussein Obama, den ein Fünftel der Amerikaner für einen Muslim halten.
Midterm elections sind immer Protestwahlen.
Dagegen setzen die wahlwerbenden Republikaner auf den Mobilisierungseffekt radikaler Sprüche, zu denen jetzt auch der islamophobe Kreuzzug gehört. Das Ziel ist eine konservative Revolution im Kongress, wie einst 1994 gegen Bill Clinton, um den mit der Gesundheitsreform und den neuen Bankenregeln eingesetzten linksliberalen Reformprozess Obamas zu stoppen.
Ob die Rechnung aufgeht, wird sich weisen. Die von Sarah Palin in den republikanischen Vorwahlen gegen das Parteiestablishment durchgeboxten Ultras stoßen die gemäßigte Mitte der Wähler ab. In Nevada wird Harry Reid, der um seine Wiederwahl kämpfende demokratische Mehrheitsführer des Senats, nicht müde, die fundamentalistischen Wurzeln seiner republikanischen Herausforderin anzuprangern.
Ein Staatswesen auf biblischer Grundlage hat in Nevada Tea-Party-Kandidatin Sharron Angle einmal gefordert, sie fühlt sich als Abgesandte Gottes.
Auch Energieministerium und Umweltschutzbehörde will sie abschaffen. Aus der Uno will sie austreten. Steuererhöhungen für die drei Prozent der Superreichen mit über 250.000 Dollar Jahreseinkommen, wie von den Demokraten gefordert, gelten Angle als Schritte in Richtung totalitärer Staat. Senator Harry Reid, der noch vor dem Sommer abgenützt und müde erschien, holt inzwischen massiv auf.
Barack Obama ist der islamfeindlichen Welle scharf entgegengetreten. Religionsfreiheit gehört zu den Grundlagen der US-Demokratie, erinnerte der Präsident am Beginn des Fastenmonats Ramadan. Islamische Bürger Amerikas haben das unumstößliche Recht, ihre Gotteshäuser zu bauen, auch in Lower Manhattan. 68 Prozent der Amerikaner sind anderer Ansicht als der Präsident.
Aber es gehört zu den Stärken des Ausnahmepolitikers Barack Obama, die eigene Öffentlichkeit mit unangenehmen Wahrheiten zu konfrontieren. Als Parteipolitiker trachtet der Präsident gleichzeitig danach, nicht jenen Demokraten in den Rücken zu fallen, die einem Konflikt um die Moschee bei Ground Zero ausweichen wollen, wie der Mormone Harry Reid in Nevada. Daher will er sich zum Cordoba-Projekt selbst nicht äußern.
Das tat Michael Bloomberg, der jüdische Bürgermeister von New York City, ein Republikaner, der im Gegensatz zu seiner Partei das islamische Zentrum als Symbol von Vielfalt und Toleranz offensiv unterstützt.
Jetzt drohen auf den Werbeflächen der Busse Plakate mit der Aufschrift "Why there?", "Warum ausgerechnet dort?", die New Yorker Variante der weltweit grassierenden Islamophobie. Die amerikanische Metropole ist internationaler Trendsetter.
Wie der Kampf zwischen rechtsstaatlichem Pluralismus und rachsüchtigem Chauvinismus ausgeht, wird für das Selbstverständnis des gesamten demokratischen Westens entscheidend sein.

 

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