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Schwarzeneggers
Trimuph , Falter, 16.10.2003
Zwischen ungläubigem Staunen und anhaltender Belustigung schwanken
die Reaktionen der amerikanischen Öffentlichkeit auf den Wahlsieg
Arnold Schwarzeneggers. Seit jenem erstaunlichen 7.Oktober vergeht keine
Late Night Show, ohne dass die Lachmaschinen auf Kosten des kalifornischen
"Governors elect" hochgefahren werden. Wieder und wieder werden
die alten Grapschaussagen des Kandidaten wiederholt. Sogar Jay Leno, der
TV-Talkshowkönig, den er zur Siegesfeier ins Century Plaza Hotel
lud, witzelte vor den jubelnden Gästen: der grosse Gewinn dieser
Wahlkampagne für Schwarzenegger sei, dass ihn jetzt endlich alle
als Schauspieler bezeichnen.
Den zweifelhaften Ruhm des "Grapscher-Gouverneurs" wird Arnold
Schwarzenegger wohl nie mehr loswerden. Der politische Schaden war allerdings
schon bisher beschränkt. Jetzt hat die Affaire eine neue Dimension
bekommen: Schwarzenegger ist eine jener Persönlichkeiten des öffentlichen
Lebens geworden, die eine Sexaffaire überlebt haben. Das achtet man,
genauso wie bei Bill Clinton, mit dessen unersättlichem Drang die
Greifmanie des Terminators oft verglichen wird.
Die Frage, ob Arnold Schwarzenegger trotzdem als Gouverneur auch nur halb
so erfolgreich sein kann, wie an den Urnen, entzweit die politischen Kommentatoren.
In sein Übergangsteam, das die Amtsübernahme Ende November vorbereiten
soll, hat der zukünftige Gouverneur linke Demokraten und rechte Republikaner
ebenso geladen wie Ex-Politiker mit großem Namen und Spitzenmanager
aus Silicon Valley. Politischer Kurs lässt sich daraus ebenso wenig
ableiten wie aus den publikumswirksamen Sprüchen des Wahlkampfes.
Allein die versprochene Rücknahme der KfZ-Steuer-Erhöhung, die
der größte Wahlkampfschlager der Republikaner war, wird in
die Budgets der Gemeinden ein neues Vier-Milliardenloch reißen.
Man erinnert sich an Ronald Reagan, der ebenfalls mit dem Versprechen
geringerer Steuern Gouverneur wurde, um dann die Staatskassen mit zahlreichen
neuen Abgaben zu füllen.
Aber die kalifornische Wirtschaft ist dabei sich zu erholen. Nach langen
Jahren des bis zum Exzess getriebenen Parteienstreits könnte sich
das politische Klima verbessern. Schwarzenegger ist zwar als populistischer
Rebell gegen das politische Establishment angetreten, eine konservative
Revolution gegen den liberalsten und sozialsten Bundesstaat der USA steht
aber nicht auf seinem Programm. Nicht ausgeschlossen, dass Schwarzenegger
allein schon auf Grund der politischen Realitäten in Kalifornien,
wo mit Ausnahme des Gouverneurs so gut wie alle Exekutivfunktionen mit
Demokraten besetzt sind, großkoalitionäre Anläufe nehmen
wird.
Dem Weissen Haus mit seinem scharfen Rechtskurs ist der neue republikanische
Stern im Westen sichtlich nicht so ganz geheuer. George Bush hat sich
schon während des ganzen Wahlkampfes auffällig zurückgehalten.
Noch am Vorabend der Wahl ließ der Präsident wissen, er werde
sicher nicht aufbleiben, um auf das kalifornische Ergebnis zu warten.
Schwarzenegger revanchierte sich am Tag danach: dem dichtgedrängten
Pressekorps berichtete er ausführlich über seine Telefonate
mit Präsident Bush, bis sich herausstellte, dass damit Bush senior
gemeint war. Zum amtierenden Bush fiel ihm nur ein, von dem brauche er
viel Geld, schließlich solle auch der Bund seinen Beitrag zur Sanierung
der kalifornischen Staatsfinanzen leisten. Was wiederum im Weissen Haus
in Washington unglaubliches Staunen auslöst.
Die etwas ironische Zurückhaltung der republikanischen Granden könnte
sich ändern, wenn der Wahlkampf näher rückt: Senatoren,
Abgeordnete und solche, die es noch werden möchten, brauchen dann
vor allem Geld. Ein Publikumsmagnet wie Schwarzenegger ist eine Fundraisingmaschine,
das hat er bereit in Kalifornien bewiesen. 20 Millionen Dollar hat sein
Wahlkampf gekostet, die Hälfte wurden in Rekordzeit durch Spenden
eingebracht, die andere Hälfte hat der Filmstar, dessen Vermögen
auf 200 Millionen Dollar geschätzt wird, selbst zugeschossen. Ein
Abend mit Schwarzenegger kann Millionen bringen, das weiß jeder
wahlkämpfende Politiker: bisher vorhandene Berührungsängste
werden da rasch verschwinden. Wenn "Arnie" will, dann kann er
auf diesem Weg das ihm bisher fehlende Netzwerk von Freunden und Unterstützern
in der Bundespolitik aufbauen.
Jesse Ventura, der es als Ringer bis zum Gouverneur von Minnesota gebracht
hatte, hat als Gouverneur sein politisches Kapital sehr rasch verspielt.
Er blieb auch als Gouverneur ein Außenseiter und legte sich so nachhaltig
mit allen anderen politischen Kräften seines Bundesstaates an, dass
er wenig umsetzen konnte. Durchaus möglich, dass auch Schwarzenegger
in der Knochenmühle der kalifornischen Politik aufgerieben wird.
Ehrgeiz, Disziplin und Charismus, die selbst Kritiker dem Terminator zugestehen,
sind keine Garantie für den politischen Erfolg. Schwarzenegger hat
zwar die Wähler überzeugt, aber nicht die Medien: selbst die
"Oakland Tribune", die einzige Zeitung, die sich in ihrem für
amerikanische Blätter üblichen Wahlaufruf für Schwarzenegger
ausgesprochen hat, hat diese Unterstützung wenige Tage vor der Wahl
zurückgezogen. Nach wie vor wird Schwarzenegger von einem großen
Teil der Bevölkerung entschieden abgelehnt: mehr noch wegen seines
Machogehabes und den simplen Sprüchen, als wegen seines politischen
Programms. 22 Millionen Bürger gibt es in Kalifornien, die theoretisch
berechtigt wären sich als Wähler registrieren zu lassen. Seinen
Sieg hat Schwarzenegger mit nur etwas mehr als 3,7 Millionen Stimmen errungen.
Dagegen, dass der nunmehr berühmteste Gouverneur der USA so rasch
verglüht, wie Jesse Ventura, sprechen allerdings die aussergewöhnlich
guten Verbindungen des Filmstars in die Machtzentren von Politik und Wirtschaft
Kaliforniens. Ein fähiger Beraterstab kann viel fehlende Erfahrung
wettmachen. Arnold Schwarzenegger ist ein kalifornisches Phänomen,
aber er ist auch amerikaweit zum politischen Faktor geworden. So sehr,
dass sogar die "Washington Post", die selbst keineswegs zu seinen
Fans gehört, für die Streichung jenes unzeitgemäßen
Paragrafen in der amerikanischen Verfassung plädiert, der es nur
in den USA geborenen Staatsbürgern möglich macht Präsident
zu werden.
Auf welche Veränderungen im Österreich-Bild der amerikanischen
Öffentlichkeit sich potentielle Kalifornien-Pilger aus Austria gefasst
machen müssen? Arnold Schwarzenegger hat die Erinnerung an Kurt Waldheim
verdrängt und auch Jörg Haider ist nicht mehr die erste Assoziation,
wenn man sich als Österreicher in ein New Yorker Taxi setzt. Dafür
halten jetzt viele Amerikaner Bodybuilding für einen österreichischen
Volkssport und auch das fehlende Unrechtsbewusstsein bei sexueller Belästigung
am Arbeitsplatz wird gerne auf alpine Eigenheiten zurückgeführt.
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